Tien-tsin, dem ausländischen Handel geöffnete Hauptstadt des Departements Thien-tsin ⸗fu der chines. Provinz Pe-tschy-li, liegt unter 39 43• nördl. Br. und 116“ 50/ östl. L. von Greenwich auf beiden, durch eine Schiffbrücke verbundenen Ufern des Flusses Peiho, 75 Em von dessen Mündung in den Golf von Pe-tschy-li. Die chines. Bevölkerung wird sehr verschieden von 300000 bis auf 930000 Seelen geschätzt. Wie alle größern Städte Chinas bildet auch T. ein mit einem Graben und einer hohen crenelierten Mauer, über welche sich die turmartigen Thore erheben, umgebenes, von geraden, aber schlecht unterhaltenen und schmutzigen, sich rechtwinkelig schneidenden Straßen durchzogenes Viereck. Offentliche Gebäude von Bedeutung besitzt T. nicht, dagegen sehr viele Handelsmagazine und reich versehene Kaufläden. Als Fabrik- und Manufakturort ist T. von geringer Wichtigkeit, dagegen aber durch seine Lage an dem nördl. Ende des Kaiserkanals und der Verbindungsstelle des letztern mit dem Peiho für den merkantilischen Verkehr von ganz China, namentlich den Transithandel, von größter Bedeutung, indem der Kaiserkanal den Peihs mit dem Hoangho und dem Nang-tse-kiang verbindet. Durch diese Lage wird T. gewissermaßen Hafen der Reichs-⸗ hauptstadt Peking und einer der Hauptknoten des Verkehrs zwischen dem Norden und Süden von China, obgleich große europ. Schiffe nicht in den Peiho hinauffahren können, sondern vor dessen Mündung ankern müssen. Die Handelsniederlassung, sog. Konzession der Europäer, liegt auf dem nördl. Ufer des Peihoß, etwa 3 km von der chines. Stadt entfernt. Die dazu gehörenden Wohnungen, Magazine u. s. w. sind in europ. Stil großartig und reich aufgeführt. Zu T. fand 24. und 25. Okt. 1860 die Ratifikation der Friedensverträge zwischen China und England und Frankreich statt, durch welche China für den Handel mit dem Auslande offengestellt wurde; 21. Juni 1870 wurde daselbst der franz. Konsul Chevalier mit 15 andern Franzosen, 10 Barmherzigen Schwestern, 3 Russen und 40 kath. Christen ermordet, infolge des Hasses der Bevölkerung von T. gegen die Fremden überhaupt, sowie besonders gegen das kath. Missionswesen. Zu T. wurde auch 9. Juni 1885 der Friede mit Frankreich unterzeichnet, durch welchen Tongking an Frankreich kam.