Tirailleur (frz.) oder Schütze heißt der Infanterist in geöffneter und aufgelöster Kampfordnung. Im Altertum kämpfte das leichte Fußvolk zerstreut als Schleuderer, Speerwerfer und Bogenschützen. Im Mittelalter herrschte der Massenkampf vor; Nur erlangten die engl. Bogenschützen einen großen Ruf. Als das Feuergewehr aufkam, schossen die Schützen anfangs auch im Einzelgefecht, bald aber nur auf Kommando in geschlossener Ordnung. Im nordamerik. Kriege von 1775 führten die Verhältnisse wieder zum zerstreuten Feuergefecht, da die Kolonisten, welche die Waffen ergriffen, nicht taktisch ausgebildet waren, ebenso seit 1792 bei den Franzosen, deren aufgebotene Massen nicht in geschlossener Linie, sondern nur in Tirailleurschwärmen oder Kolonnen fechten konnten. Seitdem wurde das Tirailleurgefecht in Verbindung mit dem geschlossenen Gefecht zu einem System ausgebildet und zerstreutes Gefecht genannt. Dasselbe befähigt den einzelnen Mann, alle Vorteile des Terrains zur erhöhten Wirkung seiner Waffe und hun eigenen Deckung behufs Verminderung der Verluste zu benutzen. Das zerstreute Gefecht diente längere Zeit zur Einleitung der Gefechte, zur Hinhaltung derselben zur Unterstützung geschlossener Angriffe, zum allmählichen Abbrechen ungünstiger Gefechte, zur Deckung des Rückzugs und nach siegreichen Gefechten zur Verfolgung. Im schwierigen Terrain und bei Dorf-und Waldgefechten herrschte es vor. Seit der bedeutend gesteigerten Wirkung der Handfeuerwaffen und Geschütze bildet es fast die ausschließliche nochmna der Infanterie, die nur ausnahmsweise noch in Kolonnen ins Gefecht tritt. Große Schwärme von Schützen (tirailleurs en grandes bandes), die früher zuweilen vorkamen, bilden jetzt die Regel. Geschlossene Trupps (Unterstützungstrupps, Soutiens) folgen der Feuerlinie, um sie nötigenfalls zu verstärken oder mit Salven, auch mit dem Bajonett in den Kampf einzugreifen. Beim Bajonettangriff der Bataillonsmassen machen die Schützen schnell die Front frei, hängen sich den Flügeln der Kolonnen an und gehen feuernd vor. Beim Angriff feindlicher Kavallerie formieren sie für sich sog. Knäuel und verteidigen sich mit utelan und Bajonett.