FeedTodanstreiben
Sitten & ModeBrockhaus 1882

Todanstreiben oder Todaustragen heißt ein eigentümlicher Brauch, der sich als Rest eines uralten Volksfestes im östl. und südl. Deutschland, in der Lausitz, in Böhmen, Mähren und Schlesien, in Bayern u. s. w., bei der deutschen wie bei der slaw. ländlichen Bevölkerung erhalten hat und im wesentlichen darin besteht, daß Kinder und junge Leute am Sonntage Lätare (s. d.), der davon auch Todsonntag (stellenweise Rosensonntag) heißt, eine den Tod vorstellende Puppe aus Stroh unter Absingung darauf bezüglicher Liedchen im Orte herumtragen und endlich vor demselben ins Wasser werfen, oder zerreißen, oder verbrennen. Ganz ähnliche und an denselben Tag geknüpfte Bräuche, die in Meißen, Thüringen und Franken teils ehemals üblich waren, teils noch bestehen, beweisen, daß die alte Festfeier nicht ursprünglich slaw. Herkunft und erst allmählich auf die Deutschen übergegangen, sondern daß sie von jeher eine beiden Völkern gemeinsame gewesen ist.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 729Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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