Tönning, Kreisstadt des Kreises Eiderstedt in der preuß. Provinz Schleswig-Holstein, Sitz des Landrats, eines Amtsgerichts und eines Hauptzollamts, ist an der Mündung der Eider mitten in der Marsch auf Pfahlrost gebaut, Station der Linie T.⸗ Jübeck der Preußischen Staatsbahnen; außerdem besteht Bahnverbindung über Heide nach Neumünster durch die Westholsteinsche Bahn und Verbindung mit Wwerlichte S mittels einer Dampffähre. T. itt der westlichste Stapelplatz für die auf dem Eiderkanal verschifften Waren und zählt (1885) 3248 E., die Handel und Schiffahrt treiben und namentlich bedeutende Mengen Fettvieh nach London ausführen. T. erhielt erst 1590 Stadtrechte, hob sich seit 1613, wo der Hafen ausgegraben ward, und wurde 1644 befestigt. Seitdem diente es als Hauptwaffenplatz der Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorp in ihren Streitigkeiten mit dem dän. Königshause. T. ward 1660 vergeblich von den Dänen belagert, 1675 denselben eingeräumt, 1679 aber wieder zurückgegeben. Für König Friedrich IV. belagerte und bombardierte sie der Herzog Albrecht von Württemberg 22. April bis 2. Juni 1700, der bei dem Anrücken der niedersächs. Kreisarmee das Feld räumte. Am 14. Febr. 1713 nahm T. die Schweden unter General Stenbock auf. Diese wurden von den Russen und von König Friedrich IV. belagert und 20. Mai, gemäß der zu Oldenswort 16. Mai abgeschlossenen Kapitulation, gefangen genommen. Am 17. Febr. 1714 fiel die belagerte Stadt in die Hände Friedrichs IV., welcher nun die Festungswerke niederreißen ließ. Auf dem jetzt mit Linden bepflanzten Schloßplatz lag das 1580 erbaute, mit Wall und Graben umgebene landesherrliche Schloß, das 1735 abgebrochen wurde. Während der Elbblockade seit 1803 hatte T. große Bedeutung als Stapelplatz für engl. Waren.