Toter Winkel entsteht beim Gebrauch der Feuerwaffen, namentlich hinter natürlichen oder künstlichen Deckungen, wenn durch die Terraingestaltung, resp. durch das Profil der Brustwehr, die Einsicht des Schußfeldes eine beschränkte ist. Wenn der vordere Abhang einer Höhe, von deren Kamme die Feuerwirkung ausgeht, keine gleichmäßige Böschung hat, sondern durch Einsenkungen unterbrochen ist oder der Neigungswinkel des Abhangs allmählich oder plötzlich zunimmt, so liegt ein Teil des letztern, resp. des Vorterrains, im Toten Winkel. Ein solcher entsteht ferner, wenn eine Brustwehr eine äußere Böschung von steilerm Abfall als die Krone hat oder wenn sich vor der Brustwehr ein Graben befindet. Der somit der Einsicht entzogene Raum kann von der Feuerlinie aus nicht im direkten Schusse bestrichen werden und befindet sich, wie man sagt, im Toten Winkel. Die für den Verteidiger einer Stellung oder eines Werks im Toten Winkel liegenden Stellen gewähren dem Angreifer Deckung, und ist es daher bei fortifikatorischen Anlagen von jeher das Bestreben gewesen, die Toten Winkel auf irgend eine Weise unter Feuer zu nehmen. Bei den Mauern der ältern Städtebefestigung bediente man sich der vorspringenden Türme als Positionen zur seitlichen Bestreichun des im Toten Winkel liegenden Raums unmittelbar vor der Mauer oder auch der erkerartig angebrachten Machiculis zur Bestreichung der vordern Mauerböschung von oben her. Seit Erfindung des Schießpulvers beherrscht man die Toten Winkel der Festungsgräben entweder vermöge einer besondern Gestaltung des Grundrisses der Umfassung oder durch Verteidigungsanlagen im Graben. (S. Festungsbau.) In der Feldbefestigung begnügt man sich, die Toten Winkel auf ein Minimum zu reduzieren und dem Feinde die Benutzung solcher Stellen durch Hindernismittel zu erschweren.