FeedTouloucumaöl
ErdkundeBrockhaus 1882

Touloucumaöl, s. Carapaöl. Tonulouse (im Altertum Tolosa, Hauptstadt der Tectosagen in Gallia Narboneusis), Hauptstadt des ranz. Depart. Haute-Garonne und ehemals der ovinz Languedoc, am rechten Ufer der Garonne, am Südkanal, an der Südbahn (Bordeaux-Cette), von der hier Seitenstränge nach Foirx, Auch und Bayonne gehen, und an der Orleansbahn (nach Périgueur), in einer sehr fruchtbaren, aber flachen, reizlosen Ebene in 139 m Höhe gelegen, hat größtenteils enge, krumme und schlecht gepflasterte Straßen, Häuser ohne Stil, aber auch mehrere monumentale Gebäude. Über die Garonne führt eine der schönsten Brücken, der 1543 — 1620 erbaute, früher mit einem Triumphbogen geschmückte Pont-Neuf, nach der Vorstadt St.⸗Cyprien, zunächst nach dem 1821 —24 erbauten großartigen Chäteau-d'Cau, welches täglich 5 Mill. Liter destilliertes Wasser liefert. Oberhalb des Pont-Neuf überspannt den Strom seit 1842 die Hängebrücke St.⸗Michel. Der Königsgarten mit dem Triumphbogen Ludwigs XV., die Kais, mehrere Alleen und Plätze mit Baumpflanzungen und Springbrunnen bilden schöne Promenaden, darunter die Allée-Lafayette mit der 1853 errichteten Marmorstatue Riquets, des Erbauers des Südkanals, und der Dupuyplatz mit der Triumphsäule des Generals Dupuy. Die Kathedrale, ein geschmackloser Bau aus verschiedenen Jahrhunderten, ist 1864 umgebaut worden. Die schönste von allen Kirchen ist die 1860 restaurierte St.⸗Sernin-oder St.⸗Saturninkirche, die im wesentlichen 1091 in großartigem Stil erbaut wurde. Die Krypten dieser Kirche bergen die Gebeine des Bischofs Saturnin, sechs Apostelleiber und viele Reliquien. Die Jesuitenkirche hat interessante Statuen und Skulpturen. In der Klosterkapelle der Inquisition zeigt man noch die Zelle des heil. Dominikus. Der erzbischöfl. Palast ist ohne architektonisches Interesse. Das Rathaus oder Kapitol, eins der schönsten Frankreichs, 1750 —60 erbaut, enthält den Saal der Clemence Isaure, in welchem noch jetzt jeden 3. Mai die Akademie der Jeux floraux (s. d.) ihre Sitzung hält, und den Saal der 40 hier geborenen berühmten Männer. Der Justizpalast steht auf der Stelle des Chäteau-Narbonnais, davor die 1860 errichtete Bronzestatue des Cujacius (s. d.). Nahe der Sternwarte (43 36“ 45,3“ nördl. Br., 19 7 15“ östl. L. von Ferro) steht der Obelisk zur Erinnerung an die Schlacht vom 10. April 1814. Das Arsenal nimmt die ehemalige Kartause und Kirche St.⸗Pierre des Cuisines, das Museum ein sehenswertes Augustinerkloster ein. Das Hospital St.⸗Jacques, gegründet im 12. Jahrh., zum Teil im 18. Jahrh. umgebaut, erweitert und verschönert, hat große Gärten. T. zählt (1881) 115 446, als Gemeinde 140 289 CE. und ist nach Paris, Lyon, Marseille, Bordeaux und Lille die volkreichste Stadt Frankreichs. Es ist der Sitz des Erzbischofs von T. und Narbonne, zu dessen Diöcese die Suffraganbistümer Montauban, Pamiers und Carcassonne gehören, eines reform. Konsistoriums und eines jüd. Rabbinats, des Generalkommandos des 17. Armeekorps und des Divisionsgenerals der 34. Division, einer Artillerieverwaltung, eines Bergamts und anderer Administrationsbehörden, eines Appellationshofs für vier Departements, eines Assisenhofs u. s. w. Es bestehen ferner eine Ackerbau⸗ und eine Handelskammer, eine Handelsbörse, eine Bankfiliale und eine Succursale des Crötlit foncier. T. ist der eines recteur, d. h. des Chefs des Provinzial-Schulverwaltungs-Bezirks, der als académie bezeichnet wird, und gilt als die Gelehrten⸗ und Künstlerstadt Südfrankreichs. Es befinden sich hier drei Theater, drei Fakultäten (Rechte, Wissenschaften und Litteratur), ein Priesterseminar und ein Lehrerseminar, ein Lyceum, eine mediz. pharmaceutische Vorbereitungsschule, kreichs schönste Tierarzneischule, eine Artillerieschule, eine Taubstummenlehranstalt, eine Kunst⸗ und Industrieschule, ein Konservatorium für Musik, ein botan. Garten mit naturhistor. Museum, eine öffentliche Bibliothek von 60000 Bänden und 700 Handschriften, ein Kunst⸗, Altertums- und ethnogr., sowie ein Ackerbaumuseum, die Akademie der Jeux floraux, eine Akademie der Wissenschaften, Inschriften und Litteratur u. s. w. Industrie und Handel haben in neuerer Zeit bedeutend zugenommen. Es bestehen zu T. eine Nationaltabaksfabrik, eine großartige Eisen⸗, Stahl⸗ und Maschinenfabrik, eine sehr bedeutende Kutschenfabrik, drei große Getreidemühlen, zwei hydraulische Baumwollspinnereien, Walzwerke für Metalle, Drahtziehereien, Fabriken für Eisengeräte und Quincailleriewaren, für Spiegel, Papier, Strumpf-und Posamentierwaren, für Seidenstoffe, Gaze, Fayence, Porzellan, Marmorarbeiten u. s. w. T. hat große Magazine für alle Arten von Waren. Sein Handel umfaßt Getreide, Wein, Pyrenäenmarmor, Bauholz, Ol, Seide, Cocons, Stahl⸗ und Quincailleriewaren, Leder und andere Manufakten. Auf den zwölf Jahrmärkten kommen Tuch, Wolle, Pferde, Schlachtvieh, Ackerbaugeräte, Getreide, Blumen u. . w. zum Verkauf. Eine besondere Berühmtheit haben die hier verfertigten Entenleber⸗ und Trüffelpasteten. T. war 419—507 Residenzstadt der Westgoten, wurde dann von Chlodwig erobert und wurde später der Sitz der Grafen von T., nach deren Aussterben 1271 die Grafschaft mit der Krone Frankreich vereinigt wurde. Am 10. April 1814 siegte hier Wellington über die Franzosen unter Soult. Durch Austreten der Garonne hatte die Stadt mehrere male sehr zu leiden. Vgl. Jourdan, Panoroma toulousain. Historique de T.o (2. Aufl., Toulouse 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 778Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6