FeedTragauth
PflanzenreichBrockhaus 1882

Tragauth (lat. Tragantha oder Gummi Traganthae), der erhärtete Schleimsaft verschiedener Arten der Strauchgattung Astragalus (s. d.). Er fließt entweder freiwillig aus dem Holz oder wird durch Einschnitte oder Stiche am untern Teil des Stämmchens zum Fließen gebracht, erhärtet in 3—4 Tagen und bildet nach der Art der Austrittsöffnung band- oder sätterartige Stücke (der Smyrnaer⸗ oder Blätter-Traganth, die beste und teuerste Sorte), oder wurm⸗„ oder faden⸗, oder nudelförmige gewundene Körper (der Morea-Traganthoder Vermicell) oder klumpige Massen (der persische Kugel-Traganth, eine ordinäre Sorte). Eine Mittelsorte bildet der syrische oder Aleppo-Traganth. Der Farbe nach sind die besten Stücke des T. milchweiß und schwach gelblich, und gehen dann abwärts auf gelblich, bräunlich bis braun. Die Masse selbst ist hornartig fest und starr, mehr zähe als spröde. Ihren Hauptbestandteil bildet das Bassorin, das im Wasser zu einer großen Menge Schleim aufquillt, aber ausgetrocknet wieder die frühere Festigkeit annimmt. Der Traganthschleim bildet daher ein gutes Bindemittel, das vielseitige Verwendung findet zur Anfertigung von Pastillen, Konditoreiwaren (Traganthfiguren), Farben, zum Appretieren von Zeugen, endlich, vermischt mit Kreide, Bleiweiß u. a., zur Herstellung bildsamer Massen für Abdrücke u. s. w. Tragelaph (von Trageläphus, dem Bockhirsch, einem wunderbaren, nicht existierenden Tiere) heißt zunächst ein Trinkgeschirr mit einem Bockhirsch in erhabener Arbeit. Auf aiche ech Gebiete begreift man dagegen unter T. solche Schöpfungen, welche sich wegen ihrer widerspruchsvollen Eigenschaften schwierig in eine bestimmte ästhetische Rubrik unterbringen lassen. So bezeichnete z. B. Goethe seinen Faust» als einen T. Träger (Bauwesen), im allgemeinen jeder, eine senkrechte Last tragende Konstruktionsteil, im besondern aber ein Balken, der auf künstliche Weise verstärkt ist und zum Unterstützen einer Balkenlage, einer Fahrbahn, eines Gewölbes, Daches u. s. w. dient. Im allgemeinen wird die Verstärkung der Tragkraft von Balken durch Vergrößerung ihrer Höhe erzielt, da die Tragfähigkeit (das Widerstandsmoment) in dem einfachen Verhältnis mit der Breite, dagegen im quadratischen mit der Höhe des Balkens wächst, im umgekehrten Verhältnis aber zur Länge steht. Dabei ist es gleichmgültig, ob die Last auf dem T. liegt oder unterhalb desselben aufgehängt ist oder in dessen Mitte sich befindet. Dem Material nach unterscheidet man T. aus Holz, aus Eisen und solche aus Holz und Eisen. Bei hölzernen T. hat man, abgesehen von den aus einfachen Balken bestehenden Unter- und Oberzügen, folgende Konstruktionen: Verdoppelte und verdübelte, verzahnte, gesprengte und offengebaute, d. h. mit Zwischenräumen versehene T. Hierher gehören die linsenförmigen oder Lavesschen Balken; die einfachen und zusammengesetzten Gitterbalken, von denen man besonders zwei Arten unterscheidet, die Townschen und die Howeschen T. Alle diese in der Hauptsache aus Holz bestehenden T. haben jedoch zu ihrer Verbindung Schraubenbolzen, Klammern u. s. w. von Eisen nötig. Zu den T. aus gemischtem Material gehören die sog. armierten oder verspannten Balken, welche mit Hilfe von eisernen Zugstangen in Form eines umgekehrten einfachen oder doppelten Hängewerks (Spannwerks) verstärkt sind (Dreieck- und Trapezträger, s. nachstehende Fig. 1 u. 2). Die eisernen Träger werden, nachdem man anfänglich Gußeisen, meist in Form einfacher T-Balken (J.) hierzu verwendete, nur noch und zwar zweckmäßiger aus Schmiede⸗ oder Walzeisen, das gleichmäßig auf Zug und Druck beansprucht werden kann, konstruiert; dabei kommen die verschiedensten Querschnittsformen (Flach-, Winkel-, Einfachträger, Doppelträger, V-Eisen u. s. w.) vor. Man unterscheidet hier folgende Arten: 1) Die einfachen Träger, wozu man oft gewöhnliche (abgängige) Eisenbahnschienen verwendet, einfache T. (TJ) und Doppelträger (T). Der obere und untere horizontale Teil derselben heißt Flantsch, der mittlere, vertikale, Steg. 2 Blechträger, Hohl- oder Kastenträger. Sie werden aus starken Eisenblechtafeln und Winkeleisen durch Vernietung gebildet (Britannia-und Conway-Röhrenbrücke in England). 3) Gitterträger, bei denen das ursprünglich bei den amerik. Ho Towufa angewendete System der Howeschen und Towuschen T. auf Eisen übertragen und modifiziert ist. Man unterscheidet in Bezug auf die Form der Felder oder Fächer das System des rechtwinkeligen Dreiecks und dasjenige des gleichschenkeligen Dreiecks. Beide Systeme kommen in einfachster Weise, ohne Überkreuzung der Gitterstäbe und in zusammengesetztester (mit einfacher, doppelter, mehrfacher Überkreuzung) vor. Die einfachern Gitterträger des rechtwinkeligen Systems (mit weiten Maschen) nennt man Fachwerkträger, diejenigen des Dieeinfachften Dreiecksystems Netzwerkträger. ie einfachsten Vertreter dieser beiden Hauptsysteme sind das Mohniesche (rechtwinkelige) und das Nevillesche (gleichschenkelige) System; letzteres in England auch Warrenprinzip genannt (Fig. 3, 4, 5, 6). In Bezug auf die Hauptform, insbesondere der Fachwerkträger, unterscheidet man noch solche mit parallelen Gurtungen (das sind die obern und untern, die Stelle des Flantsches einnehmenden Begrenzungen) oder Parallelträger; die Parabel- oder Segmentträger (Bogensehnen-S und Fischbauchträger S), die Sichel⸗, Hyperbel: oder Schwedlerschen T. (Fig. 7). Letztere kommen hauptsächlich als Dachbinder vor. In Bezug auf die Auflagerung endlich hat man Konsolträger (mit einem Ende eingemauerte), einfache Balkenträger (auf zwei Stützen), kontinuierliche T. (auf drei und mehr Stützpunkten) und Gelenkträger (mit schwebender Unterstützung).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 788Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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