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GeschichteBrockhaus 1882

Trajanswall werden die noch erhaltenen Reste einer alten, von den Römern in demjenigen Teile des alten Mösien, der heute Dobrudscha heißt, angelegten Befestigungslinie genannt. Sie beginnt 15 km unterhalb Rassowa beim Dorfe Czernawoda und setzt sich 60 Km weit bis zum Seehafen von Küstendsche fort. Der linke Flügel, dem ein von Morästen ausgefülltes Thal vorgelegen ist, bestand augenscheinlich nur aus einer Erdwalllinie, während auf dem rechten, der eine offene Ebene zu durchlaufen hatte, sich deren zwei und stellenweise selbst drei hintereinander gelegen befanden. Dieselben haben noch eine Höhe von 3 und auf einzelnen Punkten selbst bis zu 6m. Die Crête dieser Wälle scheint stellenweise von einer Brustwehrmauer aus behauenen Steinen überragt gewesen zu sein, au sind Spuren von Castra erhalten. — Noch führen den Namen T. (russ. Trajanskoiwal) oder Römerwall und Römerschanze ähnliche, nur weit längere Befestigungslinien in Rumänien und Bessarabien. Trajanus (Marcus Ulpius), der erste Provinziale, der den röm. Kaiserthron bestieg, regierte 98—117 n. Chr. Er war 53 zu Italica (bei Sevilla) in Spanien geboren und zeichnete sich schon in früher Jugend unter seinem Vater, der von der Pike auf gedient und es bis zum Patriciat und den Triumphalinsignien gebracht hatte, in einem Feldzug gegen die Parther aus. Nachdem er noch in Germanien als Kriegstribun gedient hatte, durchlief er die gewöhnliche senatorische Laufbahn bis zur Prätur. Als Legionsgeneral führte er aus Anlaß des Aufstandes des Saturninus gegen Domitian im J. 88 seine Legion aus Spanien nach Obergermanien, war 91 Konsul und wurde dann Statthalter in Niedergermanien, als welcher er von Nerva (s. d.) adoptiert und zum Mitregenten und Thronfolger gemacht wurde. Als Nerva im Jan. 98 starb, wurde T. Kaiser und regierte nun so tüchtig und glücklich, daß seine Regierungszeit nach der augusteischen als die glänzendste Periode der Kaiserherrschaft erscheint. Mit welcher Sorgfalt und Einsicht er die Verwaltung der Provinzen im einzelnen leitete, sieht man aus dem uns erhaltenen Briefwechsel mit Plinius als Statthalter von Bithynien. Mit besonderer Energie ging T. an den Bau neuer Straßen, Kanäle, Brücken, ebenso wurden alte wiederhergestellt, in Italien namentlich an der Trockenlegung der Pontinischen Sümpfe gearbeitet, endlich neue Kolonien in den verschiedensten Teilen des Reichs angelegt. Zeugen dieser Thätigkeit sind Monumente in allen Teilen des Reichs. Von besonderer Wichtigkeit war das von Nerva begonnene, aber erst von T. emporgebrachte Institut der Alimentationen, d. h. die Stiftung von Kapitalien zur Erziehung von freigeborenen Kindern, wodurch der seit dem Ende der Republik namentlich in Italien bemerkbaren Entvölkerung abgeholfen werden sollte. Obligationsurkunden über solche trajanische Stiftungen sind inschriftlich erhalten. T.s Zeit ist ferner diejenige Periode, in der die röm. Litteratur ihre letzte Nachblüte in Tacitus, Plinius dem Jüngern und Juvenal trieb, nicht sowohl infolge direkter Begünstigungen von seiten des Kaisers als infolge des anregenden Einflusses der Freiheit, die nach langem Druck den Geistern wieder gestattet wurde. In dem «Panegyricuso des Plinius hat diese Litteratur dem Kaiser ihren Dank niederelegt. Die berühmten zwei Briefe, 96 und 97 in einem Briefwechsel mit Plinius, welche die gegen die Christen zu befolgenden Grundsätze besprechen, zeigen den Kaiser zwar als Gegner der neuen Religion, aber er will, daß gegen die Christen einfach nach den Gesetzen vorgegangen werde. Neben der energischen innern Verwaltung ging eine glückliche äußere Politit her. Auf zwei Seiten wurde das Reichsgebiet beträchtlich erweitert, infolge der dacischen Kriege 101—102 und 105-107 jenseit der untern Donau und nachdem schon 106 ein Strich von Arabien dem Reich einverleibt war, auch jenseit des Euphrat infolge des Partherkriegs 114— 116. Die Dacierkriege führten, nachdem der König dieses Volks, Decebalus, sich selbst getötet, zur Eroberung des Landes zwischen Theiß und Pruth und zur Einrichtung der Provinz Dacien (außer einem Teil von Ungarn, ungefähr das Banat, Siebenbürgen, Rumänien umfassend). Die Anlegung von Städten, darunter der an der Stelle der Dacierresidenz Sarmizegetusa (s. d.) als Colonia Ulpia Trajana (bei Varhely) errichteten, führte außerordentlich rasch zur Romanisierung des Landes, und obgleich diese Provinz am Ende des 3. Jahrh. wieder aufgegeben werden mußte, war ihre Konstituierung doch ein Ausfluß richtiger Politik. Dieselbe hat ein bedeutungsvolles Denkmal gefunden in der im ganzen 32 m hohen Trajanssäule (s. Tafel: Baustile IV, Fig. 4, Bd. II, S. 608), welche in Rom inmitten des von T. an-Andenfe Forum vor der Basilika Ulpia 113 zum Andenken an die Dacierkriege errichtet und mit Reliefdarstellungen der Kriegsscenen versehen wurde, die sich wie ein Band an der Höhe der Säule hinaufziehen. Die Hereinziehung Armeniens, Mesopotamiens und Assyriens ins Reichsgebiet war eine entschiedene Abweichung von der frühern Politik, welche stets darauf gehalten hatte, zwischen der röm. Grenze und Parthien ein weder völlig römisches noch parthisches, sondern überwiegend unter röm. Einfluß stehendes Armenien zu haben und sonst den Euphrat als feste Grenze zu behalten. Während T. in Parthien war, brach in Mesopotamien, in den Gebieten am obern Euphrat und Tigris ein gefährlicher Aufstand aus, und dazu kam ein gewaltiger Aufstand der Juden in Mesopotamien, Judaa, Agypten, Kyrene u. s. w., der erst nach entsetzlichem Blutvergießen niedergeworfen werden konnte. T. aber befiel 117 auf der Rückkehr eine Krankheit. Er starb zu Selinus in Cilicien Aug. 117. Das Urteil der Römer über T., der 114 den Beinamen Optimus erhalten hatte, bezeugt der Ruf, mit dem man spätere Kaiser begrüßte: „Sei glücklicher als August und besser als Trajan lo Vgl. Francke,T. und seine Zeitgenossen⸗(2. Aufl., Quedlinb. 1840); Dierauer, «Beiträge zu einer kritischen Geschichte Trajans»(in Büdingers «Untersuchungen zur röm. Kaisergeschichtes, Bd. 1, Lpz. 1868); Fröhner, La colonne Trajane décrites Par. 1865), sowie dessen Prachtwerk, La colonne

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 791Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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