Transseendent und Transsrendental (lat.) sind Kunstausdrücke der Pbilosopßie, welche das bedeuten, was die Grenze der Erfahrung überschreitet. In diesem Sinn bezeichneten schon die Scholastiker mit beiden ziemlich promiscue gebrauchten Ausdrücken eine Anzahl von Begriffen, wie ens, unum, bonum u. s. w. Später verstand man unter transscendent jede metaphysische und spekulative Lehre überhaupt, insofern sie die Erfahrung zu überschreiten suchte. Aber eine genaue begriffliche Bestim: mung und namentlich eine Sonderung ihrer Bedeutung erhielten beide Worte erst in der Erkenntnistheorie von Kant. Dieser nannte alle Kenntnis transscendental, die sich nicht mit den Gegenständen, sondern mit unserer Erkenntnis derselben beschäftigt. Transscendentale Asthetik und transscendentale Logik bezeichnete die Untersuchung über die Bedingungen unserer sinnlichen und philomäßigen Erkenntnis; Transscendentalphilosophie war 1ie Kants. dah mit kritischer Philosophie im Sinne Kants, daher man auch eine Zeit lang die Worte Richtung der Kantschen Schule mit diesem Worte bezeichnete. Im Gegensatz dazu nannte er jeden Versuch, etwas über Gegenstände u bestimmen, welche nicht in der Erfahrung vordommen, z. B. über Gott, über das Wesen der Seele u. s. w., transscendent oder überschwenglich, und diese Transscendenz erklärte er für den Grundfehler aller Metaphysik, dagegen heißt eine Erkenntnis immanent, wenn sie sich hinsichtlich ihrer Gegenstände innerhalb der Grenzen möglicher Erfahrung hält. Da wir endlich nach Kants Lehre die Dinge nur als Erscheinungen, nicht wie sie an sich sind, erkennen, so nannte Kant transscendentalen Schein die Verwechselung der subjektiven Notwendigkeit unsers Auffassens und Denkens mit dem wahren Wesen der Dinge, und transscendentalen Idealismus die Lehre, daß die gesamte Welt der Erfahrung in der durch die Begriffe Raum, Zeit, Substanz, Causalität etc. bestimmten Form eine Reihe von Erscheinungen sei, über deren Beschaffenheit außerhalb unserer Vorstellung sich nichts ausmachen lasse. Vgl. Schmidt, De origine termini Kantiani, transscendenso (Marb. 1873). In der Mathematik ist atransscendente eine von Leibnizeingeführte Benennung aller Rechnungsoperationen, welche nicht zu den algebraischen gehören. Transscendent sind also die Operationen mit Logarithmen, mit trigonometrischen Funktionen u. s. w.; transscendente Funktionen und Gleichungen sind solche, welche transscendente Operationen voraussetzen, und transscendente Kurven solche, welche durch transscendente Gleichungen bestimmt werden, z. B. die logarithmische Spirale.