Sensitibe oder Sinnpflanze, s. Mimose. 5 ensorium (lat.), das Sinnes⸗ oder Empfinungswerkzeug, Empfindungscentrum im Gehirn. i e, daß alle unsere Vorstellungen und Erkenntnisse ursprünglich auf sinnlicher Wahrnehmung, also auf den Affektionen der Sinne beruhen, nach dem Satze: Nihil est in intellectu, quod non fuerit in sensu; teils die Behauptung, daß alle wahre Erkenntnis lediglich auf das beschränkt sei, was Gegenstand der sinnlichen Wahrnehmung ist oder werden kann. In ethischer Beziehung nennt man S. die Behauptung, es gebe keinen andern Maßstab für das Gute und Böse als den sinnlichen Genuß, die sinnliche Lust und Unlust, entweder die augenblickliche oder die Summe derselben im Zusammenhang des Lebens. Diesem S. huldigten Aristipp, Epikur und seine Schule, in neuerer Zeit ein Teil der franz. Philosophie des 18. Jahrh. Sobald der S. durch eine willkürliche Verengung der Grenzen des menschlichen Wissens und Strebens das menschliche Thun auf die niedrigsten Endziele beschränkt und dabei alles für Täuschung erklärt, was den Empirismus der äußern Erfahrung überschreitet, erzeugt er aus sich den reinen Materialismus (s. d.), welcher mit allen höhern Lebensinteressen in Widerspruch tritt. Doch kann der S. auch edlere Formen annehmen, nämlich dann, wenn er nicht blos niedere Sinne, sondern auch höhere, wie den Sinn für Moralität, Religion, Menschenliebe, Vervollkommnung u. s. w. zuläßt. Von dieser Art war der S. bei Rousseau und der Schottischen Philosophie (s. d.). Der S. als Erkenntnistheorie wird durch das Dasein solcher Wissenschaften, wie die Mathematik ist, widerlegt. Denn weil die sinnliche Wahrnehmung als solche nichts enthält als einzelne und zufällige Thatsachen und Begebnisse, so lassen sich Begriffszusammenhänge von allgemeiner und notwendiger Natur, wie sie die mathem. Wissenschaften enthalten, nicht aus sinnlichen Wahrnehmungen herleiten, sondern weisen auf eine nichtsinnliche Quelle ihrer Abstammung.