FeedApperception
AllerleiBrockhaus 1882

Apperception (lat.) wird von der Psychologie namentlich seit dem 18. Jahrh. im Gegensatze zur Perception oder einfachen Auffassung (s. d.) derjenige geistige Prozeß genannt, durch welchen unsere sinnlichen Empfindungen in bewußte Anschauungen (s. d.) verwandelt werden. Denn während wir in jedem Momente unsers Lebens in den Sinnen eine große 93 von Empfindungen haben, so fällt doch nur das allein, worauf sich unsere Aufmerksamkeit richtet, in das Bewußtsein. Weil aber nur das, was ins Bewußtsein fällt, erkannt wird, so ist die A. der übergang von der Empfindung zur Erkenntnis. Dabei ist jedoch ein engerer und ein weiterer Gebrauch dieses Wortes zu unterscheiden. Zunächst nämlich werden die Empfindungen zu der gemeinsamen Vorstellung eines für sich bestehenden einzelnen Gegenstandes verarbeitet und auf diese Weise aus den Empfindungen die ersten und einfachsten Erfahrungsbegriffe geformt. In diesem Sinne spricht Kant von einer Synthesis der A., wobei er nachzuweisen sucht, daß die Formen dieser Synthesis, die Arten der Verknüpfung der Het und die die Anschauungen von Raum und Zeit und die Grundformen der Begriffsbildung der Kategorien (s. d.) ein dem Geiste vor aller Erfahrung innewohnendes Besitztum seien. Der so gebildete neue Erfahrungsbegriff wird dann, durch Vergleichung, Entgegensetzung u. s. w. in den Kreis der bereits gebildeten und im Gedächtnisse aufbewahrten Begriffe, Erfahrungen, Kenntnisse eingereiht und erhält darin seine bestimmte Stelle. Dieser Prozeß der Aneignung und Verschmelzung der Begriffe, durch welche der Inhalt unsers Bewußtseins fortwährend bereichert wird, ist die A. im weitern Wortverstande; sie ist von Herbart sehr treffend mit der Assimilation der Speisen im Verdauungsprozesse verglichen worden. Es lassen sich jedoch diese beiden Vorgänge der A. im engern und im weitern Sinne schon deshalb nicht genau scheiden, weil überall bereits bei der Auffassung der einzelnen Gegenstände die Bildung der Empfindungen durch die Thätigkeiten der Verschmelzung, rentlich bei d. u. s. f. von statten geht, wie das namentlich bei der Schätzung der Größenverhältnisse einleuchtend ist. Unter transscendentaler A. begreift Kant eine mter ein 0 beider Bedeutungen und versteht darunter eine Thätigkeit der reinen Intelligenz, mit der dieselbe vermöge der in ihr liegenden Denkformen aus dem gegebenen Empfindungsstoffe die ganze Welt ihrer Anschauung und zu dem n produziere. Diesen Begriff bildete Fichte zu dem der cproduktiven Einbildungskrafto um.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 780Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Allerlei 6