Travestie (vom ital. travestire, verkleiden) bezeichnet eine Gattung der dichterischen Satire, die mit der Parodie (s. d.) nahe verwandt ist und doch zu ihr im Gegensatz steht. Während die Parodie ein ernstes histor. Dichtwerk, Epos oder Drama, dadurch satirisiert und ins Komische zieht, daß sie die Form und den Ton dieses Dichtwerks beibehält, aber einen niedrigen und possenhaften Gegenstand unterschiebt, behält die T., umgekehrt, den großen histor. Gegenstand des satirisierten Dichtwerks bei, zieht denselben aber in einen niedrigen und possenhaften Ton. Der dichterische Wert der T. ist sehr untergeordnet. Am bekanntesten in Deutschland ist in dieser Beziehung Blumauers «Aneides.
Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 817Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei