Tridymit, ein sehr merkwürdiges Mineral, welches eine andere, nur das spezifische Gewicht 2,28 bis 2,22 besitzende Verkörperungsform der Kieselsäure darstellt, als sie in dem Quarz oder Bergkrystall gegeben ist. Die Krystallformen sind zwar auch hexagonal, wie die des letztern, aber von ganz andern Dimensionen und fast immer tafelartig nach der Basis, wobei häufig eine Drillingsverwachsung stattfindet (daher der Name, von rorövHαt, Drillinge). Das optische Verhalten des T. bei der gewöhnlichen Beobachtungstemperatur stimmt nicht mit den Erfordernissen des hexagonalen Systems überein, die Blättchen des Minerals erscheinen im olarisierten Licht als eine sehr komplizierte Verchränkung von zwillingsmäßig miteinander verbundenen Partien doppelbrechender trikliner Natur; beim Erhitzen aber werden diese sechsseitigen Lamellen zwischen gekreuzten Nicols völlig einfachbrechend und sie gelangen dann also in einen Zustand, in welchem die äußere Form und das optische Verhalten einander entsprechen. Der T. ist ebenso hart wie der Quarz, farblos oder durch teilweise Verwitterung weiß, glasglänzend, auf der Basis perlmutterglänzend. Die Kieselsäure, Sio, aus welcher der T. allein besteht, ist ebenfalls vor dem Lötrohr unschmelzbar. Das Mineral wurde erst 1870 durch G. vom Rath auf den Klüften eines mexikanischen Trachyts von Pachuca entdeckt, obwohl es sich auch in den Hohlräumen mancher Trachyte des Siebengebirges, der Auvergne u. s. w. findet, auf denen es früher unbemerkt und unerkannt geblieben war. Sehr schöne Krystallisationen von T. erscheinen auch in Rhyolithen der Eugancen und von Tardree in Irland, in den Andesiten Siebenbürgens. Durch F. Zirkel wurde die weite Verbreitung mikrostopischer T. in Rhyolithen, Trach ten, Andesiten nachgewiesen, der nach den jetzigen Un1 wielee als ein reichlich vorhandener Gemengteil vieler solcher Gesteine gelten muß. In ältern vortertiären Felsarten ist er, im Gegensatz dazu, nur äußerst . wahrgenommen worden. Wird gepulverter Quarz stark geglüht, so verwandelt er sich, unter Verminderung seines spezifischen Gewichts, in ein Aggregat von T.-Individuen; G. Rose vermochte durch Schmelzung von Feldspat mit Phosphorsalz, sowie von Kieselpulver mit demselben Salz oder mit kohlensaurem Natron deutliche ATeiel von T. künstlich zu erzeugen.