Trieb heißt im allgemeinen eine jede beharrlich wirkende Kraft, welche eine bestimmte Reihe von Außerungen hervorbringt, wie der T. eines Rades, einer Drehscheibe u. dal. Im engern Sinne wer den aber allein die in den lebendigen Wesen auf zweckmäßige Art von innen heraus wirkenden organischen Kräfte T. genannt. So faßt man die Bewegung als Ausdruck eines T. in den lebendigen Körpern auf; man nennt organische T. die Kräfte, welche die Entwickelung und Gestaltung der Organismen bedingen, z. B. in dem Worte Bildungstrieb; man nennt (psychologisch) animalische T. die verschiedenen Richtungen des tierischen Begehrens (und Widerstrebens), die sich unwillkürlich äußern und auf bestimmte Gegenstände und Genießungen hintreiben, wie z. B. bei allen Außerungen der Instinkte, d. h. der angeborenen T., wie z. B. Nahrungstrieb, Geschlechtstrieb u. s. w. Man unterscheidet psychologisch T. niederer und höherer Natur. Die erstern, die einfach sinnlichen T. bestehen in einem Begehren nach sinnlichen Lustgefühlen und in einem Widerstreben gegen sinnliche Unlustgefühle; hierher gehören besonders Nahrungs- und Geschlechtstriebe u. s. w. Die höhern T. (ästhetische, moralische u. s. w.) haben gleichfalls eine sinnliche Grundlage, insbesondere das ästhetische Gefühl in seinen verschiedenen Gestaltungen. Die zusammengesetztern Instinkte (z. B. die Kunsttriebe der Tiere) haben sich, wie insbesondere Darwin wahrscheinlich gemacht hat, gemäß dem Gesetze der Anpassung und Vererbung aus den einfachsten Triebäußerungen niederer Tiere allmählich entwickelt. Doch sind hierbei wohl zweifellos auch innere psychologische Bedingungen in Wirksamkeit getreten, deren Natur man noch nicht kennt. Unter pathologischen Bedingungen treten beim Menschen «krankhafte T. hervor, welche vielfach in einer Umkehr der normalen T. bestehen, so z. B. die Gier nach dem Genuß ekelhafter Dinge (Exkremente), die sog. konträre Sexualempfindung, d. h. sinnliche Liebe zum eigenen Geschlecht, Zerstörungstrieb u. dgl. m.