Trier (lat. Augusta Trevirorum, frz. Trèves), die Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks der preuß. Rheinprovinz, früher auch des gleichnamigen Erzstifts und Kurfürstentems, liegt in einem reizenden Thal, das von zwei mit Wein bepflanzten Bergreihen gebildet wird, am rechten Ufer der Mosel, über welche eine steinerne Brücke (190m lang, 7,5 mbreit) führt, Station der Linien Perl-Koblenz, Hillesheim-T. und Conz-Ehrang der Preußischen Staatsbahnen. Die Stadt ist sehr weitläufig, weil sie viele große Gärten umfaßt: die ältern Straßen sind eng und unregelmäßig; die Zahl der Einwohner beläuft sich (1885) auf 26119 Lim 59,5 qkm großen Stadtkreise auf 40348), insgesamt Katholiken, mit Ausnahme von 4000 Protestanten und 600 Juden. T. ist Sitz der Regierung, eines Landratsamts, eines Landgerichts, eines Amtsgerichts. eines kath. Bischofs und einer Reichsbanknebenstelle, hat ein kath. Gymnasium (seit 1563), ein Realgymnasium, eine städtische simultane höhere Töchterschule, eine Stadtbibliothek im Gymnasialgebäude (dem vormaligen Jesuitenkollegium) von 96000 Bänden und schönen Handschriften, darunter der sog. Codex aureus; ein sehr reichhaltiges Museum rhein. Altertümer, ebenfalls im Gymnasialgebäude; ein großes Bürgerhospital, ein Provinzialmutterhaus der Barmherzigen Schwestern, eine Taubstummenanstalt und ein Landarmenhaus. Die in T. 1472 gestiftete Universität wurde 1798, ein kath. Priesterseminar 1872 aufgehoben. Außer Südfrankreich hat kein Ort diesseit der Alpen so viele Denkmäler aus der Römerzeit aufzuweisen, wie T.; sie stammen, mit Ausnahme des etwa unter Trajan erbauten Amrhitheaters sämtlich aus dem Ende des 3. und dem 4. Jahrh., so die Porta nigra, ein aus mächtigen Sandsteinquadern erbautes, befestigtes Stadtthor von imposanten Verhältnissen, 36 m lang, 29 m hoch; die Moselbrücke, von der jedoch nur der aus Basaltblöcken bestehende Unterbau der röm. Zeit angehört; die großartigen Thermen in der Vorstadt St. Barbara; der Kaiserpalast, eine malerische Ruine, die jetzt zum Teil noch in einer Höhe von 20 m steht; die Basilika, durch Friedrich Wilhelm IV. wiederhergestellt und seit 1856 der evang. Gemeinde eingeräumt, und die ältesten Teile des Doms, ursprünglich eine Gerichtshalle, später zur Kirche umgewandelt, nach einem großen Brande wiederhergestellt vom Bischof Nicetius (532 und 566) und später umgebaut von Poppo (1016—42), Udo (1066—78) und Hillin (1152—69). Im Dom werden kostbare Meßgewänder und Reliquien (wie der heilige Rock, s. d.) aufbewahrt. In der Umgegend finden sich röm. Bauten bei Igel und Nennig. Unter den spätern Bauten nimmt die Liebfrauenkirche (erbant 1227—44½) im frühgot. Stil den ersten Platz ein; durch einen schönen Kreuzgang ist sie mit dem Dom verbunden. Außerdem sind hervorzuheben: die Gangolfskirche (13. Jahrh.) mit schönem Turm aus dem 15. Jahrh., die Matthiaskirche aus dem 12. Jahrh., jedoch mehrfach umgebaut, die Paulinskirche (erbaut 1734) und das kurfürstl. Schloß im Barockstil. Die Einwohner beschäftigen sich hauptsächlich mit Weinbau, Gerberei und Kunstgärtnerei und treiben Schiffahrt und Handel, besonders mit Holz und Steinen. Mit Koblenz ist T. durch regelmäßige Dampfschiffahrt verbunden. — Seine Glanzzeit fällt in die Zeit von 286 bis 400, wo es die Residenz für den Westen bildete. Im J. 464 fiel die Stadt an die Franken. T. ist wahrscheinlich vom Kaiser Claudius gegründet worden. Es gehörte dann zu Austrasien, kam im Vertrage zu Verdun von 843 an Lothringen, 870 an Deutschland, 895 wieder an Lothringen und wurde durch König Heinrich J. bleibend mit Deutschland vereinigt. Nachmals unter den Erzbischöfen gelangte die Stadt zu solcher Macht, daß dieselben für gut befanden, ihren Sitz nach Koblenz (s. d.) zu verlegen. Erst 1580 wurde ihr die lange Zeit angestrebte Reichsunmittelbarkeit definitiv durch kaiserl. Urteil aberkannt. Die Stadt kam 1794 an Frankreich und bildete die Hauptstadt des Saar-Departements, siel 1814 Preußen zu und ist jetzt Sitz einer Regierung. Vgl. Haupt, T.s Vergangenheit und Gegenwartv (2 Bde., Trier 1822); Schmidt, Baudenkmale der röm. Periode und des Mittelalters in T.v (5 Hefte, schen Landes und Volks« (Trier 1871): von Wilmowsti, Der Dom zu T. in seinen drei Hauptperioden» (Trier 1874); derselbe, «Die historisch denkwürdigen Grabstätten der Erzbischöfe im Dom zu T. und die archäologisch-liturgisch und kunstgeschichtlich bemerkenswerten Fundgegenstände in demselbend (Trier 1876); Freemann, «Augusta Treverorum. Histor.⸗archäol. Skizzer (aus dem Englischen, Trier 1876); Lettner, „(Das röm. T.v (Trier w1880): Steinbach, T. und seine Umgebungs (Trier 1883); Wörl, Führer durch die Stadt T. v 2. Aufl., Würzburg 188). —. Der Landkreis Trier zählt (1880) auf 957,7 qkm 66 559 E. Der Regierungsbezirk Trier umfaßt ein Areal von 7182,4 dm, zählt (1885) 675578 meist kath. E. und zerfällt in die 13 Kreise: Stadt T., T.⸗Land, Saarburg, Merzig, Berncastel, Wittlich, Prüm, Bitburg. Daun, Saarbrücken, Saarlouis, Ottweiler, St. Wendel. Vgl. Bärsch, «Beschreibung des Regierungsbezirks T.v(2 Bde., Trier 1849).