Tropenländer oder Aquinoktialgegenden heißen die zwischen den Tropen oder Wendekreisen (s. d.) gelegenen Länder. Alles, was Flora und Fauna Uppiges und Großes hat, vereinigt sich in diesen Gegenden. In einer senkrechten Höhe von 5000 bis 5500 merscheinen hier, von den Palmen- und Pisanggebüschen des Meeresufers bis zum ewigen Schnee, die verschiedenen Klimate gleichsam schichtenweise übereinander gelagert. Was die Höhe anlangt, so erleidet die Luftwärme jahraus jahrein fast gar keine Veränderungen. Jede Höhe hat unter den Tropen hestimmte Eigenheiten, die von so mannigfaltigen Formen sind, daß ein Gebirgsabhang der peruan. Andeskette, welcher 1000 m hoch ist, mehr Verschiedenheit in Naturerzeugnissen darstellt als eine vierfach größere Fläche in der gemäßigten Zone. Dieses gilt ganz vorzüglich von dem Raum, welcher von 10 nördl. bis 10 südl. Br. geht; näher nach den gemäßigten Zonen tritt schon mehr Unbestimmtheit und ein ungleicherer Charakter ein. In den heißesten Gegenden ist die mittlere Luftwärme 26°. So trocken auch die Luftschichten sind, schwebt doch ein fast immerwährender Wolkennebel um die Gipfel derselben, welcher dem Pflanzenwuchse dieser hohen Wildnisse ein prangendes Grün verleiht. Die tiefern Tropengegenden enthalten in ihrer, viele Monate hindurch wolkenfreien Luft eine so große Menge Wasser, daß die Pflanzen sich bloß durch Anziehung von Tau in der Trockenheit von fünf bis sechs Monaten erhalten können. Die tiefen Luftschichten zeigen gewöhnlich nur eine geringe elektrische Ladung, die dagegen höher in den Wolken vereinigt zu sein scheint. Dieser Mangel an Gleichgewicht erregt heftige Gewitter, in der Ebene einige Stunden nach Mittag, in den Flußthälern häufig bei Nacht; am stärksten sind die Gewitter in den Gebirgen; mit Hagel- und Schneestürmen kommen sie noch in einer Höhe von 4550 müber dem Meere vor. Die schönsten span. und ital. Sommernächte sind nicht mit der stillen Majestät der Tropennächte zu vergleichen. Nahe am Aquator glänzen alle Gestirne mit ruhigem planetarischen Lichte, und Funkeln ist kaum am Horizont bemerkbar. Die schwachen Fernrohre, welche man aus Europa nach Indien bringt, scheinen dort an Stärke zugenommen zu haben, so groß und beständig ist die Durchsichtigkeit der Tropenluft. Wegen der Reinheit derselben ist das Licht der Sonne viel stärker als in Europa unter gleicher Höhe, sodaß man sich mehr vor der Helle als vor der Wärme fürchtet. Die verfinsterte Mondscheibe, welche bei uns in der Regel nicht gesehen wird, erscheint in den T. in einem rötlichen Lichte, wie der Vollmond, wenn er über die Erde heraufsteigt. In der Region der Palmen⸗ und Bananengewächse, vom Meere an bis 1000 m Höhe, kultiviert man Reis, Kakao, Ananas, Orangen, Kaffee, Zuckerrohr und Indigo; in der Region der baumartigen Farnkräuter, von 1—2000 m, alle Getreidearten, Baumwolle und Tabak; in der obern Region der Cinchona, von 2-3000 m, den Fieberrindenbaum und europ. Gemüse; in den kalten Gebirgsstrecken, von 3—5000 m, wird meist Viehzucht getrieben, der Ackerbau tritt zurück. Indes sind die Verschiedenheiten zwischen den einzelnen T. groß. über die in den T. herrschenden Krankheiten s. Tropische Krankheiten. Vgl. Hartwig, Die Tropenwelto (2. Aufl., Wiesb. 1875).