FeedTsad (Tsadsee)
ErdkundeBrockhaus 1882

Tsad (Tsadsee), Tschäd, Tsade, d. h. in der Bornusprache Großes Wasser, der größte Landsee im nördl. Innerafrika, der Bahr-es-Salam der Araber, zwischen 12½—14 ½ nördl. Br. und 13 —15 östl. L. (von Greenwich), wird im RO. von Kanem, im W. von Bornu, im S. von Bornu und Baghirmi begrenzt. Da seine Ufer wechselnd und unbestimmt sind, so läßt sich seine Ausdehnung nur annähernd auf 27000 qkm schätzen, bei einer Tiefe von 2—5 m und einer Höhenlage von 244 müber dem Meere. Während der See in der trockenen Jahreszeit außerordentlich zusammenschrumpft, schwillt er während der tropischen Regen wieder bedeutend an und verursacht dadurch Überschwemmungen, welche oft die an seinen Ufern gelegenen Dörfer oder Städte vernichten. Die ganze Umgebung besteht aus angeschwemmtem Lande, unter welchem sich Kalkschichten mit Muscheln hinziehen. Sein Wasser ist sumpfig, aber süß, sehr reich an Nuia, Lo und Fischen und vielfach bedeckt mit Pistia, Lotus und andern Wasserpflanzen. Der größere Teil besteht aus sog. schwarzem Wasser, d. h. Sumpfstrecken mit Kanälen und kleinen Inseln; nur an der Mündung des Schari befindet sich offenes, freies, sog. weißes Wasser. Die sumpfigen und teilweise bewaldeten Ufer zeigen viel Papyrusstauden und 3—5 m hohes Schilfrohr und beherbergen zahllose Massen von Mosquitos, Fliegen, Ameisen, Termiten, Skorpionen, Kröten, Eidechsen, Krokodile, Antilopen, Wildschweine, Büffel, Clefanten und Flußpferde, seltener Löwen und Leoparden. In regenarmen Jahren trocknen die Kanäle zwischen den Inseln oft aus, sodaß sich diese mit den Küsten vereinigen, während zur Zeit starker egen deren Bewohner, die Budduma oder Jedina, oft auf das Festland flüchten müssen. Da der T. sich schon durch Verdunstung genügend verringert, so hat er keine Abflüsse, empfängt dagegen mehrere Zuflüsse mit außerordentlich geringem Gefälle und seichten, oft eintrocknenden Wasserläufen, die in der Regenzeit zu majestätischen Strömen anschwellen. Von Westen mündet der 880 km lan e, durch Bornu ziehende Komädugu-Waube, welcher im November elseinen höchsten Stand hat; vom Süden der nur und der 222 km lange Lebai. Am bedeutendsten ist der immer wasserreiche Schari, dessen Quelle noch unbekannt ist. Von Norden mündet kein Fluß in den T., während von Osten durch das Wadeel-Ghasal nur zur Regenzeit einiges Wasser ihm zuströmt. Der See ist vielleicht der schon von Ptolemäus als ein periodisch übertretender Sumpf erwähnte Nubasee. Im Mittelalter erwähnt ihn Abulfeda unter dem Namen Küarsee als ein überaus fischreiches Gewässer. Die Briten Clapperton, Denham und Oudney waren die ersten Europäer, welche den T. erblickten; der erste, welcher ihn 1851 befuhr, war der Deutsche A. Overweg, welcher 27. Sept. 1852 zu Maduari am Westufer starb.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 876Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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