Tschausch war früher in der Türkei eine angesehene Klasse Exekutivbeamter, welche zu Vertrauensbotschaften (unter anderm zur überbringung der seidenen Schnur), aber auch zur Besorgung großherrlicher Fermane und sonstiger wichtiger Korrespondenzen in die Provinzen, ja sogar in ihren hohen Graden als Pfortengesandte bei fremden Höfen zu diplomatischen Diensten verwendet wurden. Die T. bildeten ein Korps von 5—700 Personen, von denen immer eine große Anzahl in den Amtslokalen des Großveziers, der Minister u. s. w. zur Hand sein mußte. An ihrer Spitze stand der Tschausch-Baschi (Obertschausch), welcher unter anderm beim Einholen der fremden Gesandten und deren Audienzen Hofmarschalldienst zu versehen hatte. Zu den äußern Attributen der T. gehörte der Tschugän, ein langer Stab, der bei den Offizieren reich mit Silber verziert war, und von ihnen, wenn sie im Vortritt einen hohen Beamten geleiteten, mit seinem eisenbeschlagenen Fuße lärmend auf das Pflaster gestoßen wurde. Jetzt ist das Korps der T. aufgelöst, und die Funktionen sind auf andere Unterbeamte, Muschabir und Kawas, verteilt; T. ist nur noch eine militärische Titulatur und entspricht unserm Sergeant.