FeedTschernyschewskij
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Tschernyschewskij (Nikolaj Gawrilowitsch), russ. Schriftsteller, geb. 1828 zu Saratow als Sohn eines geachteten Erzpriesters, studierte auf einigen geistlichen Seminarien, zuletzt auf der Universität Petersburg. Er war seit 1853 einer der thätigsten Mitarbeiter und bald eigentlich Redacteur der Zeitschrift Sovremenniko, die damals durch ihn und Nikolaj Dobroljubow (gest. 1861) große Popularität genoß. Seine Schriften gehörten anfangs der litterarischen und histor. Kritik an, dann behandelten sie verschiedene Gegenstände des gesellschaftlichen Lebens, der polit. Okonomie und besonders der Bauernemancipation. Die Stellung, die er hier einnahm, charakterisierte ihn als «Sozialisteno; er wurde 1862 verhaftet, 1864 vom Gericht verurteilt und nach Ostsibirien verbannt. Im Gefängnis 1863 schrieb er den Tendenzroman „Cto délatjy (Was thun ro, Vevey 1867; 2. Aufl., Genf 1877; deutsch, 3 Bde., Lpz. 1883), voll humaner und idealer Zukunftsbilder, die jedoch von seinen Gegnern wie extremen Verehrern mehrfach mißverstanden worden sind. Seine Werkey (Sobinenijao) erschienen in Vevey (4 Bde., 1868—70). Ende 1883 wurde T. zum Teil amnestiert und ihm Astrachan als Wohnort angewiesen, hier beschäftigt er sich mit den übersetzungen wissenschaftlicher Werke, wie Webers »Allgemeiner Weltgeschichter u. a.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 881Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 6

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Literatur & Sprache 6