Samarin (spr. Ssamärin, Jurij Fedorowitsch), russ. Publizist, geb. 1818, stammt aus einer reichen Adelsfamilie Moskaus, studierte daselbst Ende der dreißiger Jahre, wo er sich der von Aksakow, Chomjakow nnd den Brüdern Kirejewsti gebildeten Slawophilenpartei anschloß. Nach beendeten Universitätsstudien ging S. als Beamter des Ministeriums des Innern nach Riga, wo er drei Jahre lang unter dem Generalgouverneur Golowin diente und sich durch Feindseligkeit gegen das in den Ostseeprovinzen herrschende deutsche Element hervorthat. Im J. 1848 nach Petersburg zurückgekehrt, verfaßte er eine handschriftlich verbreitete Arbeit über die Zustände Livlands, die ihm mehrtägige Haft und einen persönlich vom Kaiser Nikolaus erteilten Verweis zuzog. Die folgenden Jahre verlebte er abwechselnd in Moskau und auf seinen Gütern und trat erst zur Zeit der Aufhebung der Leibeigenschaft, an welcher er lebhaften Anteil nahm, wieder öffentlich auf, indem er an der Seite seiner Jugendfreunde Fürst Tscherkasskij Iwan Aksakow und Koschelew als Vorkämpfer demokratischer und streng nationaler Ideen publizistisch thätig war. Besonderes Aufsehen erregte seine Schrift: Russ. Grenzmarkeno (4Okrainy Rossiiv, 5 Bde., Berl. 1868—76), wegen ihrer Feindseligkeit gegen das deutsche prot. EClement in den Ostseeprovinzen, Gegenschriften verfaßten C. Schirren (Livländ. Antwort an Herrn Juri S. »), W. von Bock (Livländ. Beiträge), J. Eckardt (S.s Anklage gegen die Ostseeprovinzeny) und E. von Sternberg (Livländ. Bekehrungen »). Auch schrieb S. gegen die Jesuiten und gab die theolog. Werke Chomjakows heraus; er starb 31. März 1876 in Schöneberg bei Berlin.