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ErdkundeBrockhaus 1882

Tschesme, richtiger Tscheschme, unbedeutender Hafenplatz an der Westküste Kleinasiens, der Insel Chios gegenüber, ist bekannt durch die große Menge Rosinen und getrockneter Feigen, welche in seinem und den benachbarten Benrken Catzata, Ovadjik und Cattaganaja erzeugt werden und über Smyrna zur Ausfuhr kommen. Geschichtlich denkwürdig ist der Ort durch die Seeschlacht von Tschesme, in welcher die Russen unter Graf Orlow, Spiridow und den in der russ. Marine angestellten Engländern Elphinstone und Greigh in der Nacht vom 5. auf den 6. Juli 1770 die ganze türk. Flotte (16 Linienschiffe, 6 Fregatten und viele kleinere Schiffe) unter Hassan Bei verbrannten, die sich unvorsichtigerweise nach dem tags zuvor stattgehabten Gefecht, in welchem die beiderseitigen Admiralschiffe in die Luft flogen, in die enge und seichte Bucht nach T. zurückgezogen hatte. Das Gelingen des Unternehmens verdankte man der Kühnheit des Admirals Greigh und des ruff. Schiffslieutenants Dugdale, eines Engländers, der seine Brander zwischen die feindliche Flotte führte, einen derselben mit eigener Hand an ein türk. Schiff befestigte und nach vollbrachter That, an den Händen und im Gesicht verbrannt, sich schwimmend rettete. Nur ein Linienschiff und einige Galeeren entkamen. Dieses Sieges wegen erhielt der russ. Admiral Orlow den Beinamen Tschesmensky. Auch ließ Katharina II. zum Andenken an dieses Ereignis 15 km südl. von Petersburg ein Militärhospital bauen, welches sie T. nannte, und der Maler Hackert mußte die Seeschlacht und den Flottenbrand in sechs Gemälden darstellen. FTschetji-Minei (russ., Einzahl Tschetia-Minesa; entspricht dem grch. MuVAιον, Monatslektionen), in der griech.⸗kath. Kirche Sammlungen von Märtyrer⸗ und Heiligengeschichten auf alle Tage des Jahres und eingeteilt nach den Monaten. Ein solches Werk wurde zusammengestellt in griech. Sprache im 10. Jahrh. von Simeon Metaphrastes, in der russ.⸗slaw. Kirchensprache im 16. Jahrh. von dem Metropoliten Makarij von Moskau. Auf Grund beider wurden im 17. Jahrh. von Dimitrif von Rostow neue slaw. T. in 4 Bänden ausgearbeitet, die sich durch Kritik des Inhalts und Reinheit der Sprache auszeichnen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 882Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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