Tschetschenzen oder Tschetschen heißen in weiterer Bedeutung die zahlreichen Völkerschaften des mittelkaukasischen Stammes (s. Kaukasische Bergvölker), welcher von den Lesghiern Mizdschegier, von den Georgiern Khisten genannt wird und dessen verschiedene Mundarten erst zum Teil durch Uslar und Schiefner bekannt geworden sind. Das Land der eigentlichen Tschetschen, der mächtigsten jener Völkerschaften, die ehemalige Tschetschna oder Tschetschnja imjetzigen Terelgebiet, wird, im W. von der Kleinen Kabarda, im N. vom Terek, im O. von dem kumükischen Gebiet und einem Teil des lesghischen Gebirges, im S. vom letztern begrenzt und durch die Sundscha, den bedeutendsten Nebenfluß des Terek, in die Große Tschetschna im Südosten und die Kleine Tschetschna im Nordwesten geteilt. Obgleich sich Ausläufer der großen kaukasischen Gebirgskette bis in den nördl. Teil des Landes erstrecken und außerdem zwei Gebirgsarme fast parallel von Osten gegen Westen dasselbe durchstreichen, so ist es doch größtenteils flach und selbst in den gebirgigen Teilen leicht zugänglich. Der Wasserreichtum ist eine Hauptursache der üppigen Vegetation und des gesunden Klimas, wodurch sich das Land auszeichnet. Der Boden ist sehr fruchtbar, fast überall mit wucherndem Gestrüpp bedeckt. Man findet einen Überfluß von Wildbret aller Art, in den gebirgigen Teilen auch Wölfe, Bären, Schakale, Füchse u. s. w. In den Thälern und auf den Hochebenen gedeihen alle Getreidegattungen, beraus große Weinstöcke und Mais. Viehzucht ist neben Ackerbau die Hauptbeschäftigung der Einwohner. Die Zahl der T. belief sich 1880 auf 164 615 Köpfe. Die eigentlichen Tschetschen sind sunnitische Mohammedaner. Di Männer haben einen sehr schlanken Wuchs, eine edle Haltung und große Gewandtheit des Körpers. Die natürliche Anmut der Frauen wird durch ihre malerischen, bunten Gewänder, ihre üppigen Haarflechten und ihren Kopfputz noch bedeutend erhoht. Außer dem Orte Tschetschen im Norden sind im Hnnern Dargo und Weden bemerkenswert, beide einst berühmt als Hauptfesten und Waffenplätze Schamyls. Es gelang zwar 1818 und 1827 dem General Jermolow, die freien Tschetschen dem russ. Scepter zu unterwerfen und diese Herrschaft durch Anlegung von Forts zu befestigen. Allein 18. erzwangen sie ihre alte Unabhängigkeit wieder und schlossen sich dem neuen Propheten Schamyl (s. d.) an, der aus der Tschetschna ein Naib oder Stattnißt, sind unter Cz aufzusuchen. halterschaft bildete. (S. unter Kaukasus.) Vgl. Ad. Bergé, «Tschetschna und die T.» (Tiflis 1850).