Tschirnhausen (Ehrenfried Walter, Graf von), Mathematiker, Naturforscher und Philosoph, geb. 10. April 1651 auf seines Vaters Gut Kislingswalde in der Oberlausitz, beschäftigte sich von Jugend auf mit Mathematik, die er nachher zu Leiden studierte. In den J. 1672 und 1673 war er Freiwilliger in holländ. Diensten. Dann machte er große Reisen und wurde, als er 1682 zum dritten mal Paris besuchte, in die Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Er starb zu Kislingswalde 10. Okt. 1708. In der ländlichen Zurückgezogenheit beschäftigte er sich besonders mit o tischen Arbeiten. Er legte Glashütten und eine Mühle zum Schleifen der Brenngläser an, unter denen eins, 80 kg schwer, sich noch gegenwärtig im Kabinett der pariser Akademie der Wissenschaften befindet. Auch Brennspiegel von großer Vollkommenheit brachte er zu Stande. Mehrere Abhandlungen von ihm über diese Gegenstände sind in den „Acta eruditorum v. Bedeutenden Anteil hatte er auch an der Erfindung des meißener Porzellans. Als Philosoph erwarb er sich einen Namen durch die Schrist «Medicina mentiso (Amsterd. 1687; Lpz. 1695 u. öfter), in welcher er auf die Notwendigkeit einer Vereinigung philos., mathem. und physikal. Studien hinwies. Vgl. Weißenborn, Lebensbeschreibung des Ehrenfried Walter von T.v (Eisenach 1866).