Tschudi Goh. Jak. von), namhafter Naturforscher und Reisender, aus der Familie des vorigen, Enkel des Historikers Johann Jakob von T., geb. 25. Juli 1818 zu Glarus, widmete sich auf dem Gymnasium und der Universität Zürich dem Studium der Naturwissenschaften und setzte seine Studien zu Neuchätel, Leiden und Paris, später auch zu Berlin und Würzburg fort. In der Absicht, eine Reise um die Erde zu machen, schiffte er sich im Auftrage des Museums von Neuchätel im Febr. 1838 auf einem franz. Schiffe ein, mußte sich aber, da das Fahrzeug vom Kapitän zu Callao an die peruanihe Regierung verkauft wurde, auf eine naturhistor. und ethnogr. Durchforschung von Peru beschränken, auf die er fünf Jahre verwandte. Nachdem er 1843 nach Europa zurückgekehrt, begann T. die Bearbeitung seiner reichen wissenschaftlichen Sammlungen unter Benutzung der wichtigsten europ. seinlenannd zog sich zu diesem Behufe 1818 auf seine Besitzung Jakobshof in Niederösterreich zurück. Vu J. 1857unternahm er eine neue wissenschaftliche gleise nach Brasilien, den La-Platastaaten, Chile, Dolivia und Peru, von der er 1859 zurückkehrte. Doch schon im folgenden Jahre ward er als außerordentlicher Gesandter vom schweiz. Bundesrat wiederum nach Brasilien gesandt. Während der zwei Jahre, die er auf diesem Posten verblieb, bereiste er die mittlern und südl. Provinzen des Staats, besonders um die Einwanderungsverhältnisse zu studieren. Im J. 1866 zum schweiz. Geschäftsträger und 1868 zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister in Wien ernannt, blieb er bis 1883 auf diesem Posten und nahm dann wiederum seinen Wohnsitz auf seinem Gute. Unter T.s naturwissenschaftlichen Arbeiten sind besonders hervorzuheben: »System der Batrachierd (Neuchätel 1838) und »Untersuchungen über die Fanna Peruanas (St. Gallen 1844—47, mit 76 Tafeln); von den linguistischen Die Kechuaspraches (2 Bde., Wien 1853) und »Ollantas, ein altperuan. Drama aus der Kechuasprache übersetzt und kommentiert (Bd. 24 der ⸗Denkschriften der philos.⸗histor. Klasse der kaiserl. Akademie der Wissenschafteno, Wien 1875), und als Hauptwerk Organismus der Kechuaspraches (Lpz. 1884). Höchst wertvolle Beiträge zur Kenntnis von Peru und seiner Bewohner enthalten Peruan. Reiseskizzen aus den J. 1838 —425 (2 Bde., St. Gallen 1846), das Prachtwerk Antigusdades Peruanaso (Wien 1851, mit Atlas), das er in Verbindung mit Don Mariano de Rivero herausgab. T.s Reisen durch Südamerika (5 Bde., Lpz. 1866—68), welche die Ergebnisse seiner vielseitigen Beobachtungen während seines Aufenthalts in Brasilien, der Argentinischen Konföderation, Chile, Bolivia und Peru mitteilen, gehören zu den reichhaltigsten und wertvollsten Reisewerken, die in neuerer Zeit über jenen Teil der Erde erschienen sind. T. hat auch Winckells „Handbuch für Jägere (5. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1878) von der dritten Auflage an unigearbeitet. Außer den genannten Werken hat T. eine Anzahl wertvoller Arbeiten in medizinischen, naturwissenschaftlichen, geographischen, ethnographischen Fachjournalen veröffentlicht. T.s jüngerer Bruder, Friedrich von T., hervorragender Gelehrter, Schriftsteller und Staatsmann, geb. 1. Mai 1820 in Glarus, bereitete sich in Schaffhausen auf die theolog. philosoph. Studien vor, bezog dann die Universitäten Basel, Bonn und Berlin und wurde 1843 Stadtpfarrer in Lichtensteig (Toggenburg). Eines hartnäckig werdenden Brustleidens wegen trat er 1847 von seiner Stelle zuruc, siedelte nach St. Gallen über und lag hier eifrig seinen Privatstudien ob. Im folgenden Jahre erschien Der Sonderbund und seine Auflösungo (St. Gallen) unter dem Pseudonym C. Weber. Sein wichtigstes Werk: „Das Tierleben der Alpenwelt (Lpz. 1853; 10. Aufl. 1875) ist in alle wichtigern Sprachen Europas übersetzt. Es ist die reife Frucht eigener Forschung und feinster Beobachtung, dazu ein sprachliches Meisterstück. Verdienstvoll waren auch seine landwirtschaftl. Werke, wie Landwirtschaftl. Lesebuche (6. Aufl., Fauenfeld 1874) und »Der Obstbaum und seine Pfleger (mit Schultheß; 2. Aufl. 1873). Von 1856 an diente T. im Kanton St. Gallen in verschiedenen Zeamtungen, von 1864 an saß er im Großen Rat, — 1874 im Regierungsrat, von 1877 an war er Mitglied des Schweizerischen Ständerats. In allen diesen Beamtungen hat er sich besonders um das Erziehungswesen außerordentliche Verdienste erworben, und namentlich den Kampf mit dem Klerus ebenfo taktvoll als entschieden geführt. rmißt, sind unter Cz aufzusuchen. Einem rasch uberhand nehmenden Gehirnleiden er1 .24. Jan. 1886. schudi (Iwan von), Bruder des vorigen, 1816 zu Glarus, widmete sich der industriellen Berufsthätigkeit, zu deren Studien er große Reisen in den europ. Kulturstaaten machte. Er lebte 13 J. vorzugsweise in Paris und in Petersburg, wandte sich dann dem Buchhandel zu und übernahm 1846 die Verlagsbuchhandlung Scheitlin u. Zollikofer und das Plaßgeschäft Scheitlins Buch⸗ und Kunstbandlung in St. Gallen. Ausdauernde topograph. Studien und unermüdliche Wanderungen, namentlich in der Hochgebirgswelt seines Vaterlandes, veranlaßten ihn zur Herausgabe mehrerer die Schweiz und Savoyen betreffenden Reiseschriften und Karten, von denen der »Tourist in der Schweiz und dem angrenzenden Süddeutschland, Oberitalien und Savoyen⸗ (18. Aufl., St. Gallen 1886) am verbreitetsten ist. Um die nähere Kunde seines Vaterlandes und die Hebung des Fremdenverkehrs in der Schweiz hat sich T. sehr verdient gemacht.