Schimper (Wilh.), deutscher Reisender und Naturforscher, geb. 19. Aug. 1804 zu Mannheim, lernte anfangs als Kunstdrechsler, trat aber in seinem 17. Jahre in das bad. Militär und wurde alsbald bei der Militäradministration beschäftigt. Nachdem er hierauf zwei Jahre zu München Naturwissenschaften studiert, unternahm er 1829 eine Reise nach Südfrankreich und Algier, auf welcher er reiche botan. Sammlungen machte. Nach der Rückkehr verweilte er einige Zeit zu Neuchätel, dann zu Offweiler im Elsaß, wo er seine Reise nach Algiero (Stuttg. 1834) schrieb. Im J. 1834 ging S. im Auftrage des württemb. Reisevereins nach dem Orient. Er durchwanderte Oberägypten, die Sinaihalbinsel und Teile von Arabien und begab sich 1836 nach Abessinien, wo er sich das Wohlwollen des Fürsten Ubie von Adaua erwarb. S. ließ sich in Abessinien förmlich nieder, verheiratete sich mit einer Eingeborenen und erhielt von Ubie die Verwaltung des Distrikts Antitscho. Letztere Stellung verlor er jedoch durch König Theodorus. Nach Auflösung des württemb. Reisevereins setzte S. seine Sammlungen im Auftrage des pariser Jardin des Plantes fort. Seit 1863 mußte er gezwungen in der Nähe des Königs Theodor verweilen und wurde 1868 auf die Festung Magdala gebracht, bis ihn die Engländer durch die Erstürmung derselben 13. April 1868 befreiten, worauf er sich in Adaua niederließ. Hier starb er im Okt. 1878. Karl Friedrich S., älterer Bruder des vorigen, Botaniker, geb. 15. Febr. 1803, studierte zu Heidelberg und München, wo er mit Alex. Braun und Agassiz eine eigene philos.⸗botan. Schule begründete. Im Auftrage des Kronprinzen, nachmaligen Königs Max, untersuchte er 1842 —43 die bayr. Alpen und die bayr. Pfalz geognostisch. S. gilt für den Entdecker der Blattstellungsgesetze und für einen der Hauptbegründer der neuen botan. Morphologie. S. gab auch zwei Sammlungen «Gedichtes (Erlangen 1840 und Mannh. 1847) heraus. Später lebte er zu Schwetzingen, wo ihm der Großherzog von Baden, der ihm auch einen Jahrgehalt zahlte, eine Wohnung im Schloß angewiesen hatte. Er starb daselbst 21. Dez. 1867. Wilhelm Philipp S., Geolog und Paläontolog, Vetter der vorigen, geb. 12. Jan. 1808 zu Dosenheim bei Elsaß-Zabern, studierte zu Straßburg Theologie, war dann Hauslehrer und erhielt 1853 eine Stellung am naturhistor. Museum zu Straßburg, an welchem er 1838 zum Konservator, später zum Direktor aufrückte. Gleichzeitig lehrte er als Professor der Geologie und der Paläontologie an der Universität. Er starb 20. März 1880 in Straßburg. In der Wissenschaft hat sich S. besonders als Bryolog einen geachteten Namen erworben. Seine Hauptwerke sind: XMonographie du grès bigarré des Vosgeso (Lpz. 1844), Bryologia Europaeav (6 Bde., Stuttg. 1836 —54, mit 640 Tafeln), im Verein mit Bruch begonnen, nebst den Musci Europaei novio (Stuttg. 1864 fg.), «Stirpes nor males bryologiae Europaeaen (Straßb. 1844 - 54), (Recherches morphologiques et anatomiques sur les mousseso (mit 9 Tafeln in 4., Straßb. 1848), pour servir à I'histoire naturelle des sphagnumy (Par. 1854, mit 24 Tafeln), welches Werk auch deutsch als «Versuch einer Entwickelungsgeschichte der Torfmooser (Stuttg. 1857, mit 27 Taf.) erschien; «Palaeontologica Alsaticao (Straßb. 1854 fg.), (Synopsis muscorum Europaeorump (Stuttg. 1860; 2. Aufl. 1876), Le terrain de transition dées Vosgesy (mit Köchlin, Straßb. 1862, mit 30 Tafeln), (Traité de paléontologie végétales (3 Bde., Par. 1867—69, mit 110 Tafeln).