FeedTunnelkrankheit
VerkehrBrockhaus 1882

Tunnelkrankheit, soviel wie Minenkrankheit. „Tunnels (engl., ursprünglich Röhre) sind künstlich hergestellte unterirdische Hohlräume von größerm Querprofil. welche zur Durchf ührung einer Straße, Eisenbahn, eines Kanals, Flusses, Bachs u. s. w. unter der Erdoberfläche dienen. In neuerer Zeit ba namentlich die große Ausdehnung des Eisenahnwesens zur Herstellung einer bedeutenden Anzahl von T. Veranlassung gegeben, welche sich entweder durch Berge, oder unter dem Boden von Städten, wie dieses namentlich bei den großen unterirdischen Bahnen Londons der Fall ist, oder unter Strömen und Meerengen hinziehen. Dem Baue der T. muß eine sorgfältige Untersuchung der geolog. Beschaffenheit der zu durchfahrenden Schichten vorausgehen, auf Grund welcher unter Bezugnahme auf die Kosten die Feststellung der Länge und Lage der eigentlichen Tuuuellhiie, zomie des Omerprosls, dessen lichte Ausmaße und zu projektierende Verkleidungen dem Gebirgsdrucke der Bodrn zu wählen sind, erfolgt. Die Arbeiten der Bodengewinnung sind meist bergmännischer Natur und haben sich seit der Einführung der brisanten Sprengmittel (Dynamite, Gelatine u. s. w.), der elektrischen Zündung und der Gesteinsbohrmaschinen bedeutend vervollkommnet. Um die ausgearbeiteten Hohlräume provisorisch vor dem Einbruch zu schützen, bedient man sich bei druckreichem Gebirge verschiedener Zimmerungssysteme in Holz, so des deutschen, belg., engl., österr. Systems, zu welchen in neuerer Zeit neben andern Mennes Ausbauverfahren und der Riihasche Ausbau in Eisen getreten ist. Zur leichtern inder dienen des großen Hohlraums geht demselben in der Rege ein Stollen voraus; mitunter werden, um gleichzeitig benutzbare Angriffspunkte zu schaffen, eigene Schachte abgeteuft, wie dies z. B. beim Hauensteintunnel in der Schweiz der Fall war. Der definitive Ausbau erfolgt meis in Stein, seltener in Eisen oder Holz. Die Rücksichtnahme auf zweckmäßige Förderung der gewonnenen Massen, Beleuchtung und Ventilation des Arbeitsraums, die Erzielung rechtzeitiger Vollendung Tumnelt mit den früher erwähnten Rücksichten die Tunnelbauten oft zu den schwierigsten Durchführungen des Ingenieurs und haben zu einer eigenen wissenschaftlichen Bildung desselben, sowie zur Erziehung hierfür besonders geeigneter Arbeitskräfte Veranlassung gegeben. Jur Durchführung von T. durch nasses, sog. eschwimmendes Gebirge» hat sich in neuester Zeit ein Verfahren zweckmäßig erwiesen, wonach durch Einblasen sehr kalter Lust in Röhren, die in dem Schwimmsand stecken, dieser zum Frieren gebracht wird (Brunkebergtunnel in Stockholm 1886) und so wie Fels durchfahren werden kann. Ein ähnliches erfahren mittels Kühlflüssigkeit hat der deutsche Bergingenieur Poetsch seit neuester Zeit mit Erfolg beim Abteufen von Schächten angewendet. wurden schon 2000 Jahre v. Chr. von den Agyptern später von den Persern angelegt. Zu den berühmtesten Bauten der Römer zählt der 5600 m lange T. zur Ableitung der Wasser des Fucinosees, der, mittels 40 Schachte in Angriff gezommen, in einer Tiefe von 122 m unter dem Rücken des Palentine sich erstreckte, aber nicht so enial durchgeführt wurde, als er entworfen worden war, wie die höchst interessanten Erfahrungen beweisen, die bei der von dem Prinzen Torlonia zorgenommenen gelungenen Durchführung dieses Werks gesammelt wurden. Der älteste Eisenbahntun nel ist der für die Liverpool-Manchesterbahn 1826 —29 erbaute, welcher unter ersterer Stadt sich binzieht. Zu' den neuern Eisenbahntunnels haben Frankreich, Italien, Deutschland,‚ sterreich, Amerika und die Schweiz interessante, zum Teil im höchst ungünstigen, Wasser führenden Gebirge liegende T., die nur unter den größten Schwierigkeiten hergestellt werden konnten, aufzuweisen. Zu den unter Wasser undenesder T. Beunel als der älteste und bekannteste der von runel unter unsäglichen Schwierigkeiten erbaute, 1842 eröffnete erste Themsetunnel, zu welchem in den letzten Jahren der T. bei Tower-Hill getreten ist.. Unter den zahlreichen Projekten, welche eine direkte Verbindung Englands mit Frankreich anstreben, ist das eines unter dem Meeresboden sich erstreckenden T. nach vorgenommenen Probestollenbauten technisch kaum besonders schwierig, doch scheiterte bisher die Durchführung an dem Widerstreben der militärisch-polit. Kreise Englands. Proiektiert ist auch die Durchtunnelung anderer Meerengen. Die bedeutendsten Tunnels durch Gebirge sind: der St. Gotthardtunnel 14990 m, der Montder Haupttunnel (Giovi-Galerie) der Bahn Novi-Genua 8260 m, der Hoosactunnel in Massachusetts 7640 m, der T. von Marianopoli (Catania-Palermo) 6480 m, der Sutrotunnel in Nevada (Berg⸗⸗ werksbahn) 6000 m, der T. bei Slandridge (London-Birmingham) 4970 m, der Nerthetunnel (Marseille-Avignon) 4620 m, der T. bei Belbo in Waierd 4240 m, der Kaiser Wilhelmtunnel der koselbahn bei Kochem, der längste Deutschlands, 4220 m, der Blaisytunnel (Paris-Lyon) 4100 m4 u. s. w. Durch große Kosten ihrer Anlage und schwieriges Terrain, das sie durchsetzen, sind bemerkenswert der nur 416 m lange Lupkowtunnel in den Karpaten, der 17000 Mark für den laufen⸗⸗ den Meter, der 503 m lange Czernitztunnel in Schlesien, der 4050 Mark für den laufenden Meter kostete, während sich bei ähnlichen Anlagen in günstigerm Boden der Preis auf etwa 1000 Mark für den laufenden Meter stellt. Projektiert sind von größern Gebirgstunnels: der St. Bernhardtunnel 6500 m, der Simplontunnel 19000 m u. a. Von Kanaltunnels unter Bergen sind unter vielen andern hervorzuheben der 1679 erbaute Malpastunnel im Zuge des Kanals von Languedoc, der schon 1803 erbaute und 8 m breite T. von Tronquoy im Zuge des Kanals von St.⸗ Quentin, der große T. am Thames und Medwaykanal (erbaut 1822). Flußtu nnels unter Gebirgen finden sich an der Brennerbahn u. a. Bon Eisenbahn⸗ und Straßentunnels unter Flüssen und Meerengen sind die wichtigsten: der T. unter dem Severn zwischen Südengland und Wales 7262 m lang, der unter dem Mersey zwischen Liverpool und Birkenhead, der T. unter dem Hudson in Neuyork (im Bau, später eingestellt). Als Straßentunnels sind zu nennen der durch den Col di Tenda (1450 durch Anna von Lusignan begonnen), die T. an der Axenstraße in der Schweiz, der bei Traunkirchen am Traunsee; Straßentunnels unter Wasserläufen finden sich z. B. in Chicago; für großartige Wasserleitungen wurden T. beziehungsweise Stollen unter dem Michigansee in Chicago, Milwaukee u. s. w. gebaut, die neue 45 km lange Wasserleitung in Neuyork wird zum größten Teil im Tunnel liegen. In Krimiania wird ein 12,7 Em langer Tunnel geplant, der Wasser für 24000 Nutzpferdekräfte aus dem Oiernsee der Stadt zuführen soll. Aus der zahlreichen Litteratur sind hervorzuheben: Miiha, „Lehrbuch der gesamten Tunnelbaukunst⸗ (Berl. 1872); Schön, «Handbuch der Ingenieurwissenschaftens (Bd. 1, 2. Aufl., 2. Abteil., Lpz. Forchheimer Engl. Tunnelbauteno (Aachen 1884). Tuustall, Stadt in der engl. Grafschaft Stafford, Station der North-Staffordshire-Cisenbahn, 6Kkm nördlich von Stoke upon Trent, zählt (1881) 14241 C. und hat einen Gerichtshof, eine Markthalle, Töpfereien, Ziegelbrennereien, Kornmühlen und eine Chemikalienfabrik.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 906Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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