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GeschichteBrockhaus 1882

Turenne (Henri de Latour d'Auvergne, Vicomte de), einer der großten an“ war Frankreichs, geb. 11. Sept. 1611 zu Sedan, war der zweite Sohn des Herzogs Heinrich von Bouillon, Prinzen von Sedan, und der Elisabeth von Nassau. Er wurde im prot. Glauben erzogen. Nachdem er 1623 seinen Vater verloren, schickte 1 die Mutter nach Holland, wo er sich unter seinem berühmten Oheim, dem Herzog Moritz von Nassau, für den Krieg ausbildete. Er kam 1630 an den Recht Hof, um im Namen seines Bruders die Rechte des Hauses rücksichtlich der Souveränetät von Sedan zu vertreten. Richelieu wußte ihn büm für den franz. Dienst zu gewinnen und gab ihm ein Regiment, an dessen Spitze er unter Laforce 1631 mit nach Lothringen zog. Nachdem T. 1634 Marechalde-Camp geworden, focht er unter Lavalette, entsetzte 1635 Mainz und ging 1637 mit einem Hilfskorps zu der vom Herzog Bernhard von Weimar befehligten Armee ab. Unter diesem eroberte er Landrecies, Maubeuge und 1638 Breisach, wurde 1639 unter dem Grafen d'Harcourt nach Italien geschickt, schlug die Deutschen und Spanier bei Casale, nahm im Sept. 1640 Turin und that sich im folgenden Feldzuge bei Belagerungen hervor. Im J. 1642 eroberte T. Roussillon. Von dem Streite seines Bruders, der mit dem Prinzen von Soissons (s. d.) gegen Richelieu verbündet war, hielt sich T. fern. Nach Richelieus und Ludwigs XIII. Tode erhielt er 1644 den Marschallsstab und den IU Deutschland. Er ging bei Breisach über den Rhein, schlug die Bayern unter Mercy und vereinigte sich mit dem Herzog von Enghien, dem nachmaligen großen Conde (s. d.). Beide eroberten in kurzer eit die Pfalz, das Kurfürstentum Mainz und den ganzen Rhein von Straßburg bis Koblenz. Nach Condes Entfernung wollte T. den Feind von Franken abhalten, ließ sich aber durch den Zustand seiner deutschen Reiterei aschlna⸗ Quartiere zu beziehen. Sein Gegner eim, 95 ug ihn hierauf 5. Mai 1645 bei Mergentheim, doch siegte T. 3. Aug. 1645 bei Nördlingen und vereinigte sich im August 1646 bei Gießen mit den Schweden unter Wrangel. Er schlug die Bayern bei Zusmarshausen und zwang den Kurfürsten 14. März 1647 zum Waffenstillstande, wendete sich dann nach Flandern und beschleunigte durch Einnahme vieler Plätze den Frieden zu Münster 1648. In den Unruhen der Fronde stand T., von seinem Bruder, dem Herzog von Bouillon, geleitet, dem Hofe anfangs entgegen. Nach der Gefangennahme der Prinzen vereinigte er die Streitkräfte der Fronde mit den Spaniern und fiel mit dem Erzherzog Leopold in Frankreich ein, wurde aber am 15. Dez. 1650 vom Marschall Duplessis-Praslin bei Rethel geschlagen. Der span. Hof bot ihm eine große Summie zur Fortsetzung des Kampfes an; aber T. söhnte sich 1651 mit dem franz. Hofe aus und trat an die Spitze des königl. Heeres. Mit wechselndem Glück kämpfte er gegen den Prinzen Condée, der sich ganz der Sache der Spanier angeschlossen hatte. Nachdem er den Hof nach Paris zurückgeführt, unterwarf er alle Städte und bis zum Pyrenäischen Frieden von 1659 fast ganz Flandern. Als 1667 der Krieg gegen Spanien wieder ausbrach, eroberte T. als Generalmarschall der franz. Armee Flandern und die Franche-Comté. Auf Ludwigs XIV. Wunsch trat er 1668 zum Katholizismus über. Bei dem Ausbruch des Kriegs 1672 erhielt T. abermals den Oberbefehl. Er trat dem verbündeten, von Montecuccoli (s. d.) geführten Heere am Rhein gegenüber, verhinderte dasselbe an Überschreitung des Flusses und zwang den Kurfürsten von Brandenburg, 6. Juni 1673, zum Frieden. Im Feldzuge 1674 ging er bei Philippsburg über den Rhein, eroberte Sinzheim und warf das kaiserl. Heer bis an den Main zurück, wendete sich gegen den Herzog von Bournonville, schlug denselben und verhinderte dessen Vereinigung mit dem Hauptheer unter dem Herzog von Lothringen. Der Ruhm, den sich T. in Derr Feldzuge erwarb, ward durch seine grausame Verwüstung der Pfalz verdunkelt. Der Kurfürst Karl Ludwig, von Schmerz und Zorn überwältigt, forderte T. zum Zweikampf heraus, den dieser aber auf Ludwigs XIV. Befehl nicht annehmen durfte. Im Okt. 1674 erschien Bournonville mit 60000 Osterreichern und Brandenburgern am Oberrhein, wurde jedoch 29. Dez. bei Mülhausen, 5. Jan. 167⁵ bei Türkheim von T. geschlagen. Im J. 1675 ging T. bei Wilstädt über den Rhein und bereitete sich gegen Montecuccoli zu einer entscheidenden S lacht vor, wurde aber auf einer Anhöhe beim Dorfe Schlachtfeldes 27. Juli 1675 von einer Kanonenmgel getötet. Auf Ludwigs XIV. Befehl setzte man T. in der königl. Gruft zu St.⸗Denis bei. Nach Zerstörung der Gräber in der Revolution wurden die Gebeine in eine Raritätensammlung gestellt, bis Bonaparte dieselben im Invalidendom bestatten ließ. Deschamps veröffentlichte unter dem Titel Mémoireso (Par. 1687) die Geschichte von Tis beiden letzten Feldzügen; eine zweite sehr vervollständigte Auflage erschien 1756. T. hinterließ auch selbst Memoiren, die von 164³ bis 16⁵8 reichen und von Grimoard (2 Bde., Par. 1782) veröffentlicht wurden. Barthelemy veröffentlichte: „Correspondance inédite de T. avee Michel Le Tellier et Louvres (Par. 1874). Das Leben I.S» beschrieben Raguenet (neue Ausg., Par. 1877), d Avrigny, Buisson (Amsterd. 1712) und Ramsay (4Bde., Par. 1733). Val. noch Choppin, Vambagne de T. en Alsace 1674—755 (Par. 1875).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 909Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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