FeedTurgot (Anne Robert Jacques)
ReligionBrockhaus 1882

Turgot (Anne Robert Jacques), Baron de l'Aulne, Generalkontrolleur der Finanzen unter Ludwig XVI., wurde 10. Mai 1727 zu Paris geboren. Er studierte Theologie, aber von der philos. Bewegung seiner Zeit ergriffen, gab er 1751 den geistlichen Beruf auf und wendete sich den Rechtsstudien u. Schon 1752 wurde er Parlamentsrat, dann Requstenmeister. In dieser Stellung gab er sich besonders den nationalökonomischen Studien hin und machte sich mit der physiokratischen Schule Quesnays (s. d.) bekannt. Im Aug. 1761 erhielt er das Amt des Intendanten von Limoges. Er betrieb als solcher die Entlastung, Hebung und Bildung des gemeinen Mannes, löste sich die Wegebaufronen aus Staatsmitteln ab, regulierte die willkürlich verteilten Abgaben, gründete Wohlpelehte voraalle ließ Wege und Kanäle bauen und belebte vor allem den Ackerbau. Seine Versuche, den Getreidehandel von den zahllosen Hindernissen zu befreien, scheiterten an dem Neide der Kollegen, der Widerspenstigkeit des Adels und selbst der Beschränktheit der Bauern. Als Ludwig XVI. 1774 den Thron bestieg, wurde T. von der Reformpartei als der Retter des Staats bezeichnet. Wiewohl der König für T. war, fürchteten doch der Hauptminister Maurepas und die Anhänger des alten Systems die Berufung eines Mannes, der als philos. Reformator galt. Dennoch erhielt T. 1774 das Marinedepartement, bald nachher an des berüchtigten Terray Stelle die Verwaltung der Finanzen. Die Reformen, welche er sich zur Aufgabe stellke, waren allerdings groß und umfaßten eigentlich das Werk, welches später die Revolution ausführte. T. wollte im ganzen die Abschaffung der Feudalrechte und des Zunftzwanges, die Heranziehung des Adels und der Geistlichkeit zu den Abgaben, die Beschränkung der geistlichen Gerichtsbarkeit und der Klöster, die Emancipation der Protestanten, die Freiheit des Gewissens und der Presse, die Verbesserung des Gerichtswesens, die Herbeiziehung wissenschaftlicher Männer zur Verwaltung, endlich die Begründung eines umfassenden Systems des öffentlichen Unterrichts, alles auf dem Grunde des nationalen Zusammenschlusses und in den ständisch-parlamentarischen Formen. Während die Reformpartei dieses Programm mit Jubel aufnahm, rüsteten sich alle, die Opfer bringer sollten, Adel, Geistlichkeit, Parlament, zum Wider stande. T. vermochte darum nur einige Verbesse rungen einzuführen. Bei der Teuerung im Früh jahr 1775 suchte er der Not vorzubeugen, inden er den Getreidehandel im Innern von Frankreic freigab. Indem er aufständische, von den Gegnert geschürte Regungen mit Gewalt niederschlug, ge wannen seine Neider das Ohr des schwachen Königs gegen seinen treuesten Diener. Im Mai 1776 tra T. zurück und widmete sich fortan ganz wissenschaft lichen Arbeiten. In seinen letzten Jahren schriel er die berůhmte Abhandlung „Des vrais principes de l'impositiono. Er starb 20. März 1781. Seine „Oeuvres complètes v gab Dupont de Nemours (9 Bde., Par. 1808—11), seine Korrespondenz mit Condorcet gab Henry (Par. 1882) heraus. Eine neue Ausgabe seiner Werke von Daire (2 Bde., Par. 1843) ist durch noch ungedruckte Schriften vermehrt. Vgl. Dupont, Mémoires sur Ia vie et les ouvrages de J.5. (2 Bde., Par. 1782); Tissot, T.„sa vie, son administration, ete. (Par. 1862); Mastier, &T., sa vie et sa doctrinep (Par. 1862); Foncin, Essai sur le ministère de T.5 (Par. 1871); Jobez, Turgoto (Par. 1877); Neymarck, T. et ses doctrineso (2 Bde., 1.0 1885).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 911Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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