Türkisch verstehen; in ihm ist die große osman. türk. Litteratur geschrieben, und während das Osttürkische bei Bewahrung älterer Sprachformen rauh und hart sich anhört, so ist das Osmanli die abgeschliffenste, aber auch weichste und melodischste der tatar. Sprachen. Freilich gilt dies zunächst nur von der noch ziemlich reinen Umgangssprache, denn die Litteratursprache, die ganz unter dem Einfluß mohammed. Kultur entstanden und deshalb auch mit der schlecht dazu passenden arab. Schrift geschrieben wird, ist bunt durchsetzt mit arab. und pers. Wörtern. Die wissenschaftlichste Grammatik des europ. Türkisch, die bis jetzt existiert, und die auch einige asiat. Dialekte zur Vergleichung herbeizieht, ist die von Kasembeg (russ., Kasan 1815; deutsch von Zenker, Lpz. 1848), die beste ostturkische die von R. B. Shaw 1876 im Journal of the Asiatic Society of Bengals veröffentlichte (Kalkutta 1876), Vocabularys (Kalkutta 1880); eine auf dem Standpunkt der neuesten vergleichenden Arbeiten (Vambery, Radloff, Hommel) stehende westtürk. Grammatik fehlt noch. Von den vielen nur dem praktischen Bedürfnis abhelfenden Lehrbüchern seien genannt: Redhouse, «The turkish compaigners Vademecum or Ottoman colloquial languages (transskribierte Grammatik, Gespräche und Glossar, Lond. 1877); Piqueré, Grammatik der türk.⸗-osman. Umgangsspraches (Wien 1870) und (ausführlicher) Wahrmund, «Praktisches Handbuch der osman.⸗türk. Spraches (Gieß. 1869). Von Wörterbüchern ist das einzige große und vollständige von neuern J. Zenker's Dictionnaire turcarabe-persan (mit franz. und deutschen Bedeutungen, durchgängig von Fleischer's Meisterhand revidiert, 2 Bde., Lpz. 1863—77); mehr ltte Handebrauch dienen das jetzt etwas veraltete, aber immer noch brauchbare Dictionnaire abrégé turctrancaiss von Hindoglu (Wien 1838) und das „Turkish-English Dictionarys von Redhouse (Lond. 1856; 2. Ausg., von Ch. Wells, Lond. 1880): ebenso ein englisch-türkisches, wie von Hindoglu auch ein französisch-türkisches vorliegt. Ein praktisches Hilfsmittel zum Erlernen des Türkischen sind auch die Osman. Sprichwörter» (mit Transstription und Ubersetzung), herausgegeben durch die oriental. Akademie in Wien (Wien 1865). Sprachvergleichend behandelt sind die meisten türk. Stämme in Vämberys „Etymolog. Wörterbuch der turkotatar. Sprachen (Lpz. 1878); über die Verwandtschaft der Türksprachen mit dem Sumerischen handelte eingehend F. Hommel in OZeitschrift für Keilschriftforschung» (Bd. 1, Lpz. 1884) und im Hournal of the Royal Asiatie Societys (Jahrg. 1886). Die Osmanische Litteratur, an Ausdehnung unendlich, an Wert aber gering, weil sie sich entweder an arab. und pers. Vorbilder eng anlehnt (d. h. übersetzt), oder dieselben meist geschmacklos nachahmt, beginnt nach der Festsetzung der Turken in dem von ihnen eroberten Teil Curopas, und als ihre beste Periode darf die Regierung Soliman's II. und die Zeit unmittelbar nachher gelten (15. und 16. Jahrh.). Zu den ältesten reintürk. und darum auch interessantesten Sachen fl gehören das „Bän-nameho oder (Falkenbuchs aus f dem 14. Jahrh. (von J. von Hammer mit zwein andern griech. Traktaten über diesen Gegenstand unter dem Titel »Falknerklees herausg. und übersetzt, Pest 1840) und der von Ethe übersetzte (ursprünglich osttürkische) Volksroman Die Fahrten des Sajsid-Batthäls (Lpz. 1871) aus dem 14. bis 15. Jahrh. Dies letztere und die Latäif-i Chodsha Nasr-ed-Din (deutsch von Camerloher, „Meister Nasr-ed-Din's Schwänker, Triest 1855), in freier poetischer Bearbeitung von Murad-Efendi (F. von Werner): Nasr-ed-Din, ein osman. Eulenspiegels (Oldenb. 1877), sind zugleich das Wichtigste aus dem ganzen im Türkischen zahlreich vertretenen Gebiet der Erzählungs⸗ und Märchenlitteratur, denn die gewöhnlich an erster Stelle genannten „Tuti-Namehs oder das Papageienbuch (Bulak 1837; deutsch von G. Rosen, 2 Bde., Lpz. 1858) und Uumajun-Namehr oder das türk. «Kalilah und Dimnahe (Bulak 1838) von Ali Wasi (gest. 1543) sind nur libersetzungen aus dem Persischen, wie das bei uns am meisten traktierte Kürk Wesirs (4Geschichte der 40 Vezierer, türk., Denauer von Belleteéte, Par. 1812, deutsch von Behrnauer, Lpz. 1851) erst aus dem Arabischen von Scheikh-Sade ins Türkische übertragen wurde. Viel mehr Originalität zeigen die osttürkischen Dichter, aus welchen Vambery schon 1868 in seinen Tschagataischen Sprachstudieno (mit übersetzung und Glossar) zahlreiche Proben mitgeteilt hat; vgl. auch Vämbery's Ausgabe des özbegischen Heldengedichts der Scheibaniade (Budapest 1886). Von den westtürk. Dichtern, welche alle die Perser (und zwar die Lyriker meist die spätern Mystiker, die Epiker die romantische Epik) nachahmten, gehören zu den ältesten Aschik, gest. 1332 (sein sog. Diwänv, ein größeres mystisches Gedicht, Konst. 1848), Achmadi, gest. 1412, von dessen Iskander-Namehs in Jolowicz' «Polyglotte der orient. Poesies eine Probe steht, und der sufische Dichter Nasimi (1417 wegen Freidenkerei hingerichtet). Der fruchtbarste Poet der Türken war wohl Lämi'i, gest. 1531, der in vier größern Epen den Perser Nisämi nachahmte: als uns am meisten zusagend darf der zart und sinnig dichtende Fazli (gest. 1563) bezeichnet werden, dessen romantisch-allegorische Dichtung Gül u Bulbüb (Rose und Nachtigalle) J. von Hammer herausgegeben und übersetzt hat (Pest 1834); und als der größte Lyriker gilt Baki (1526—1600, sein Diwan türkisch, Konst. 1859, deutsch von J. von Hammer, Wien 1825). Von neuern Dichtern sind nur der Vollständigkeit halber zu nennen der Sufi Ghälib (1757—1814), der der größte von ihnen heißt (sein Diwan Bulak 1836), der Dichterfürsty Pertew Pascha (gest. 1836, sein Diwan Konst. 1840) und die ebenfalls dem Anfang des 19. Jahrh. angehörende Dichterin Leila (Diwan Bulak 1844, Konst. 1849). Von den neuesten Dichtern sei der in London lebende Abd al-Hakk Hämid (dramat. Stücke, Lyrisches) als einer der bedeutendern, auch besonders als Bebauer ganz neuer Gebiete genannt. Die türk. Historiker leiden alle an geschraubtem Stil und bieten eine unerquickliche Lektüre, doch sind viele derselben für die türk. Geschichte unentbehrlich, so vor allem die von Sad-ed-Din begonnenen und von den auf ihn folgenden Reichshistoriographen fortgesetzten Annalenv, welche ihrem Hauptinhalt nach J. von Hammer oft mit wörtlichen Auszügen in seiner (Geschichte des Osmanischen Reichsv bekannt gemacht hat. Saded-Din Geschichtswerk geht bis 1590, auf ihn folgten Näim (ein Werk bis 1659) und andere, so im 19. Jahrh. Achmed Lutfi Efendi, der die Zeit von 1826 bis 1832 6 Wbe, Konst. 1879, und Achmet Midhat Efendi, der die von 1855 bis 1877 (Konst. 1878) behandelt hat. Einer der gelehrtesten türk. Historiker, der aber seine berühmtesten Werke (so das große biographische) arabisch und nur wenige türkisch (so eine Geschichte der Seekriege, engl. von Mitchell, Lond. 1831) geschrieben hat, war Hadschi-Khalfa (s. d.). Von biographischen Werken ist das mit Recht geschätzteste der Dhaib (d. i. Anhang) Nau'i-zade's oder Atäais (auch Ata-ullah mit vollerm Namen) zu dem arab. Werke gleichen Inhalts von Taschkupri-zade; dieser Anhang (Konst. 1850) führt das nur bis Mitte des 16. Jahrh. gehende Hauptwerk bis Muräd III. fort und ist besonders auch des Stils halber ein berühmtes Buch. Von neuern Historikern sind zu nennen Dschevdet Pascha (Chronike, Bd. 12, Konst. 1885), Mehemmed Atif („Geschichte von Kaschgare, Konst. 1883) und Subchi Pascha (Tarikh ul⸗-Islämo, eine Geschichte des Isläm, Bd. 1, Konst. 1879), der auch ein Werk über Münzkunde schrieb. Besonders wegen seines schönen Stils geschätzt ist der durch seinen Briefsteller, aber auch polit. Essays bekannte Akif Pascha. Von geogr. Werken sind zu erwähnen: das Reisewerk Evlija Efendis «Narrative of travels in Europe, Asia and Africa in the 17th century, translated from the turkisho (von J. von Hammer, 2 Bde., Lond. 1834), wie das Dschihän-numds (Buch der Weltschaus) eben jenes Hadschi-Khalfa (türk., Konst. 1732; lat. von Norberg, 2 Bde., Lond. 1818) und aus der letzten Zeit die reich illustrierte Geschichte Mekkas und Medinas Mir'ät ul-Harämain des Ajjub Ssabri (Bd. 1, Konst. 1302, d. i. 1884). Für das mohammed. Recht haben gerade die Türken, besonders durch ihre Sammlungen der Fetwas oder richterlichen Entscheidungen (so z. B. die „Fetawa-i-Ali-Efendie, 2 Bde., Konst. 1840) viel geleistet; das Feld der raisonnierenden Staatsschrift fand seine erste Bearbeitung in dem für die Entwickelung des türk. Reichs so bedeutsamen Matti-scherifo von Gulhane (türk. und deutsch bei Petermann, Beiträge zu einer n Neich der neuesten Reformen des Osmanischen Reichse, Berl. 1842) und hat seitdem viele wichtige Aktenstücke, so den Hatti-humajuno (franz. und türk. bei Bianchi, Charte imperiale ottomane du 18 Févr. 18565„ Par. 1856), in neuester Zeit die parlamentarische Verfassung u. a. zu verzeichnen. Dasjenige Gebiet aber, welches in der wissenschaftlichen Litteratur der Osmanen am erfolgreichsten kulti: viert wurde, ist die arab. und pers. Lexikographie und Kommentarlitteratur. Das große arab.⸗türk. Wörterbuch Kamuso von Firuzabädi war bei uns fors vor kurzem die Hauptquelle für arab. Wortforschung, und die verschiedenen türk. Kommentare zu pers. Dichtern, wie der von Sudi zu Hafis (zum Teil in Brockhaus' Ausgabe des Hafis), von Jsmail Hakti, zum Mesnewir des durch Rückert bekannten Dschelal-ed-Din Rümi (6 Bde., Kairo 1836) sind jetzt noch die besten Erklärungsmittel zum Verständnis dieser großartigen Dichterwerke. Für türk. Litteraturgeschichte vgl. J. von Hammer Purgstall's Darstellung der türk. Litteratur im dritten Band von Eichhorn's 4 Geschichte der Litteraturd desselben Geschichte der osman. Dichtkunsto (4 Bde. Pest 1836—38; darin litterarische Notizen und Proben von 2200 Dichtern); Dora dIstria (Fürstin Koltzoff-Massalsty, geborene Fürstin Helene Ghika), La poésie des Ottomanso 2. Aufl., Par. 1877) und La poësie des nations turqueso (in der „Rerue britanniques, 1878, Nr. 12) endlich die wissenschaftlichen Kataloge europ. Sammlungen türk. Handschriften (so den wiener von Flügel, den gothaer von Pertsch). Die Ubersicht Toderini's (Litteratura turchescas, Vened. 1787) ist im einzelnen längst durch die genannten neuern Sachen überholt und veraltet, obwohl ein ähnliches Buch, was den heutigen Anforderungen entsprechen würde, noch nicht existiert. Eine jährliche Rundschau der neuesten Erscheinungen endlich gibt der franz. Gelehrte Huart seit einer Reihe von Jahren im Journal Asiatiques.