Syrische Sprache, Schrift und Litteratur. Die syrische Sprache, ursprünglich der Dialekt von Edessa, durch die syr. Bibelübersetzung die Sprache der christlichen Syrer geworden, ist ein Zweig des Aramäischen und gehört zu den Semitischen Sprachen (s. d.). Ihre Blütezeit fällt in das erste Jahrtausend n. Chr.; von da an wurde sie durch das (stammverwandte) Arabische immer mehr aus dem Leben verdrängt und blieb nur noch Schrift⸗ und Gelehrtensprache. Jetzt ist sie fast ganz ausgestorben, und nur in einigen Dörfern Syriens, besonders aber unter den Nestorianern (s. d.) in Kurdistan, in Urmia und Umgegend und in manchen jakobitischen Dörfern Mesopotamiens hat sie sich mannigfach verderbt als Volkssprache erhalten. Die ausführlichste Grammatik ist von Hoffmann Galle 1827; die von Merr brach unvollendet mit Heft 2 1870 ab), die beste die von Nöldeke (Lpz. 1880); das einzige sehr mangelhafte Wörterbuch von Castellus (herausg. von Michaelis, Gött. 1788); ein neues wurde angefangen von Bernstein (1. Lfg. Payne Smith (Orford 1868 -83) ist bis zum Buchstaben M vorgerückt. Die besten, mit Glossarien versehenen Chrestomathien sind von Kirsch und Bernstein (2 Bde., Lpz. 1832) und Rödiger (Halle 1838; 2. Aufl. 1868). Für die Lerikographie sehr wichtig sind die einheimischen Lexika des Bar-Ali und Var-Bahlul, aus welchen Gesenius (Lpz. 1834⁴ und Bernstein (Bresl. 1842) Proben mitgeteilt haben, ersteres lithographiert zur Hälfte herausgegeben von G.Hoffmann (Kiel 1874). Die Schrift der Syrer hat in ihrer ältesten Gestalt, dem Estrangelo, die größte Verbreitung unter den verschiedenen Völkern Asiens gefunden, denn aus ihr stammt die kufische der Araber, die Zend⸗ und Pehlewischrift der Sassaniden, die uigurische der Türken, sowie die mongolische und die Mandschuschrift. Von einer syr. Litteratur in vorchristlicher Zeit hat man weder RNachrichten noch Reste. Aber in den ersten Jahrhunderten n. Chr. entwickelte sich mit Anlehnung an griech. Werke eine vielseitige Schriftstellerei, die sich vorzüglich auf christl.⸗theol. Litteratur Bibelübersetzung und Erklärung, Dogmatik, Martyrologien und Liturgien erstreckte, aber auch die Geschichte, Philosophie, Medizin und Naturwissenschaften umfaßte. In diesen letztern Gebieten wurden die Syrer wieder die Lehrer der Araber im 8. und 9. Jahrh. und haben im allgemeinen als Vermittler der Kultur einen großen Einfluß auf die eistige Gestaltung des Orients ausgeübt. Der etzte klassische Schriftsteller der Syrer ist Barhebräus (s. d.), gest. 1286. Aus den ersten drei Vüelnbersehn hat man wenig — als dieältern Bibelübersetzungen, besonders die Beschita (Ausgaben z. B. von Lee, Lond. 1823, von der amerik. Mission in Urmia 1846 fg., von Ceriani, Mailand 1876 fg.), welche zugleich das Muster der Sprache wurde. Ri ihrer Blütezeit trat die syr. Litteratur von der Mitte des 4. Jahrh. an, besonders durch den berühmten Lehrer und Theologen der rechtgläubigen Kirche Ephrem (. d.), den Syrer, dem sich weiterhin namentlich Maruthas, Bischof von Tagrit (um das J. 400), Rabulas, Bischof von Edessa (gest. 435), Isaak von Antiochia (gest. etwa 460), Josua der Stylite (Anfang des 6. Jahrh.) anschließen. Von da ab sind no hervorzuheben unter den Nestorianern der Patriar Jesujab (gest. 660) und Metropolit Ebed-Jesu von Nisibis Gest. 1318); unter den Jakobiten oder Monophysiten Jakob von Sarug (gest. 521), Jakob von Edessa Hi 710), Dionysius von Tellmahre (gegen 800), Dionysius Barsalibi (gest. 1170, endlich Gregorius Barhebräus. Für die Kirchengeschichte wichtig sind die von Assemani herausgegebenen Acta martyrum orientalium et occidentaliumo (2 Bde., Rom 1784, wozu kommt das anonyme Martyrologium, 1865 von Wright, und Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XV. die Akten pers. Märtyrer, 1880 von G. Hoffmann herausgegeben), die Chronik des Josua Stylites (von Martin, Lpz. 1876, von Wright,‚ Cambridge 1882), die Kirchengeschichte des Johannes von Ephesus (teilweise von Cureton 1853, von Land 1868 ediert), des Dionysius von Tellmahre (Buch 1, 1850, von Tullberg), des Barhebräus Chronicon Syriacumo (von Bruns und Kirsch, 1789) und „Chronicon ecclesiasticumo (von Abbeloos und Lamy 1872—77); ferner Ancient documentso (Lond. 1864 von Cureton und Wright), Curetons Spicilegium syriacum (Lond. 1853), mehrere von de Lagarde edierte Werke, wie Didascalia apostolorumv (Lpz. 1854), Reliquiae juris ecclesiasticio (Opz. 1856), Titi Bostreni contra Manichaeos libri quatuore (Berl. 1859) u. a. Die zahlreichen Übersetzungen griech. Schriftsteller, Kirchenväter, Philosophen und Arzte, welche besonders die Nestorianer lieferten, hat verzeichnet Wenrich De auctorum Graecorum versionibus et commentariis Spyriaciso (Lpz. 1842). Manche Stücke dieser Profanlitteratur sind auch schon herausgegeben, z. B. auf Aristoteles und andere Philosophen Bezügliches von de Lagarde („AnalectaSyriacan 18580, G. Hoffmann (De hermeneuticis ete.v, 1869), Sachau (alnedita Syriacan, 1870), Land (Anecdota syriacan, Bd. 1—4, Leid. 1862 fg.) u. a., auch anderes allgemein Interessantes, z. B. Abschriften aus dem röm. Recht (Bruns und Sachau „Syrischrömisches Rechtsbuchs, Lpz. 1880) der Physiologusd von Land, Kalilag und Damnago, von Bickell (Lpz. 1876), «Sindbano, von Bäthgen (Lpz. 1879), 4Geoponiconv, von de La arde (Lpz. 1860) u. a. Die Poesie der Syrer ist fast nur kirchlich und liturgisch, meist ohne hohen Schwung, in etwas steifer Form. Der älteste Hymnendichter ist der Gnostiker Bardesanes (s. d.); nach ihm ist der bedeutendste Dichter Ephrem, dessen Hymnen und poet. Reden in der Ausgabe seiner Werke (6 Bde., Rom 1732—46), in einer Auswahl von Hahn und Sieffert (Opz. 1825) 3neh Dichel wurden, seine «Carmina Nisibenao von ickell (Opz. 1866), andere von Overbeck (Orford 1865); ferner Cyrillonas und Isaak Antiochenus (beide von Bickell herausgegeben) u. a. Die reichsten Sammlungen von syr. Handschriften finden sich in Rom (vgl. Assemani, BBibliotheca orientalis Clementino-Vaticanao, 3 Bde., Rom 1719—28, und dessen Bibliothecae Vaticanae codd. mss. catalogusv, Bd. 2 u. 3, Rom 1758—59), in Paris (Catalogues von Zotenberg, 1874) und im Britischen Museum zu London (Cataloguso von Rosen, 1838, fortgesetzt von W. Wright, 1871 fg.), welches namentlich in neuerer Zeit einen reichen Zuwachs aus einem ägypt. Kloster gewonnen hat, zum Teil sehr alte Handschriften, aus denen, außer mehrern der schon genannten Werke, z. B. Cureton die übersetzung der Briefe des Ignatius, Festbriefe des Athanasius u. a., Lee die Theophanias des Eusebius, Payne Smith den Kommentar des Cyrillus Alexandrinus zum Evangelium des Lukas, W. Wright neutestamentliche Apokryphen u. a., de Lagarde die cRecognitionesp des Clemens Romanus u. a. (s. oben), Land „Anecdota syriacay (s. oben), Sachau Theodori Mopsvesteni fragmentap (Opz. 1869), und andere anderes herausgaben. Eine Üübersicht der bis 1871 veröffentlichten syr. Litteratur gab Bickell Conspectus 16. Syrorum literariae:n (Münst. 1871) und E. Nestle in seiner der Brevis linguae Syriacae Grammatica (1881) beigegebenen Literatura Syriacab. Di obenerwähnte neusyr. Volkssprache ist von de amerik. Mission in Urmia (an ihrer Spitze J. Per kins) zur Schriftsprache erhoben worden, und mi Hilfe Eingeborener hat man die Bibel und anderer übersetzt und zum Druck gebracht. Auch eine Gram matik dieser neusyr. Sprache von Stoddard ist in Neuyork (1856) erschienen, eine wissenschaftliche Behandlung derselben von Nöldeke (Lpz. 1868) Merr veröffentlichte ein Neusyr. Lesebuch (Bresl. 1874); eine Sammlung anderer Texte gab Socir (Neuaramäische Dialekter, Tüb. 1882). Von dem neusyr. Dialekt in Tur⸗-Abdin, einer Gebirgsgegend im nordöstl. Mesopotamien, der wieder sehr verschieden von jenem ist, lieferten Proben Prym und Soein (Gött. 1881); eine wissenschaftliche Analyse Nöldeke (in der Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschafto, 1881). Völkerschaft im europ. und asiat. Rußland, welche gegenwärtig besonders in dem welitizustjugschen Kreise des Gouvernements Wologda und in einzelnen Bezirken des Gouvernements Perm und Tobolst angetroffen wird. Sie nennen sich, wie die Permier oder Permjäken, mit denen sie überhaupt hinsichtlich der Sprache viel Ahnlichkeit haben, Komi oder Komi-Murt und haben auch die Permier von allen Seiten zu Nachbarn. Im 14. Jahrh. nahmen sie zuerst das Christentum und zwar den griech.⸗russ. Glauben an. Sie haben sich in Sitte und Lebensart schon längst den Russen so genähert, daß sie kaum als ein besonderes Volk zu betrachten sein würden, wenn nicht die Sprache sie von jenen unterschiede. Grammatiken des Syrjänischen lieferten von der Gabelentz (Altenb. 1841), Castrén (Helsingfors 1847), Wiedemann (Reval 1847, Petersb. 1884), in russ. Sprache Sawwaitow (Petersb. 1850), ein Wörterbuch Sawwaitow (Petersb. 1850) und Wiedemann (Petersb. 1880). Für das Permische gibt es von Rogow eine Grammatik (Petersb. 1860) und Wörterbuch (Petersb. 1869). jetzt in Ruinen liegenden Stadt Sirmium beim heutigen Mitrowiß, hieß einst ein eigenes Herzogtum in Slawonien (s. d.), das lange unter türk. Botmäßigkeit stand, 1688 der Pforte entrissen wurde und nun an das Haus Odescalchi und später durch den Kaiser, der es gekauft hatte, an das Haus Albani kam. Es umfaßte den östl. Teil der von der Drau, Save und Donau umflossenen Syrmischen Halbinsel oder das spätere Syrmische Komitat und den Bezirk des peterwardeiner Grenzregiments. Das Banat gehört zu den gesegnetsten und schönsten Teilen der österr. Monar ie. Die Bergkette Fruschka-Gora durchlängt dasselbe von Westen gegen Osten und sendet rechts und links deitenzweige aus, welche die herrlichsten Gegenden bilden; sie wird fast ganz von den Klöstern griech. kath. Mönche serb. Nationalität eingenommen und produziert sehr viel guten Wein. Kaiser Probus hat die Rebe hierher verpflanzt. Nirgends wachsen die Pflaumen (Zwetschen) in aher Menge wie in „daher denn hier der Hauptsitz für die Zubereitung des Sliwowitz (. d.). Das Komitat Syrmien in Slawonien umfaßt nur den nördl. Teil des alten Herzogtums und zählt auf 2476,75 qkm (1880) 121893 C., größtenteils slaw. und zwar serb. Abkunft und meist der griech.⸗orient. Kirche zerfällt in sechs Bezirke. Der Hauptort ist der Marttflecken Vukovar (s. d.).