FeedTyphon
HeilkundeBrockhaus 1882

Typhon (engl., spr. Teif'n) oder Teifun, s. unter Cyklone und Orkan. „Typhus (vom arch. 553c, d. i. Rauch, Dampf, Sinnlosigteit) ist der Name niehrerer akuter Infeltionskrankheiten (s. d.), welche unter heftigen Fiebererscheinungen und schweren Störungen der psychischen Funktionen verlaufen und deshalb auch als „Nerveufiebers bezeichnet werden. Man unterscheidet haupisächlich drei Formen des T.: den Abdominaltyphus, den exanthematischen T. und den Rückfallstyphus. Der Abdominaltyphus (Darm- oder Unterleibstyphus, Ileotyphus) tritt vereinzelt auf oder bildet kleinere (Haus), selten groößere (Orts.) Epidemien; sein Kontagium (Typhusgift) ist ein rer, nur in den Darmentleerungen der Kranken enthaltener Ansteckungsstoff, welcher vorzugsweise durch den Boden und das Trinkwasser, selten durch die Luft auf gesunde Personen übertragen wird. Nach den neuern bacteriologischen Untersuchungen besteht das Typhusgift aus mitrostopisch kleinsten spezifischen Organismen aus der Klasse der Stäbchenbacterien oder Bacillen, den sog. Tuphusbacillen (Bacilli txphosi), welche sich im Darm der Mesenterialdrüsen, der Milz und Leber der Kranken vorfinden und mit den Stuhlentleerungen nach außen in den Boden und das Trinkwasser gelangen. Plötzliches Fallen des Grundwassers (s. d.) scheint in gleicher Weise das Auftreten des T. zu begunstigen, wie das Pettenkofer für die Cholera nachgewiesen hat. Der Abdominaltyphus erreicht verschiedene Grade der Ausbildung und hat demnach eine verschieden lange Dauer. Erkrankungen von einigen Tagen oder von ein bis zwei Wochen nennt man Abortivtyphus, ambulanter T. oder Typhoid. In den meisten Fällen hält er vier bis sechs Wochen an. Sitz der Erkrankung ist vorzugsweise der Lunndarm, in dem sich mehr oder minder ausgedehnte Geschwüre finden, die entweder verheilen oder die Darmwandung durchbohren und dadurch eine tödliche Bauchfellentzündung erzeugen; daneben findet sich regelmäßig die Milz betrachtlich vergrößert. Die Krantheit beginnt allmählich mit Abgeschlagenheit, Kopfschmerz, Appetitlosigkeit, Durchfall und Fieber; erst später werden die Kranken bettlägerig. In der zweiten Woche erscheinen unter zunehmenden Fieber (bis 40 C.) spärliche rote Flece (Aoseolen) auf Brust und Bauch; der Durchfall, bei welchem erbsgelber dünner Stuhl entleert wird, wechselt mit Verstopfung. Die Kranken sind völlig teilnahmlos und benommen, schlummern entweder fortwährend und delirieren leise vor sich hin oder sind in bestaudiger Aufregung und lautem Fieberdelirium. Gegen Ende der dritten oder vierten Woche nimmt das Fieber allmahlich ab und die Genesung tritt langsam ein. Bisweilen erfolgt in der Retonvalescenz eine neue Ablagerung von Typhuskeimen im Darm (Typhusrecidiv) und bringt dem Kranken neue Gefahren. Die Mortalität schwankt zwischen 25 und 5 Proz.; wer die Krantheit einmal überstanden, wird gewöhnlich nicht wieder von ihr befallen. Die Behandlung des T. erfordert vor allem die größte Schonung des Darmkanals (milde, reizlose Diät, Entziehung aller festen und schwer verdaulichen Speisen, welche die Durchlöcherung des wunden Darms verurfachen können), sorgsame Unterstützung der Kräfte durch Wein, Cognac und andere analeptische Mittel und energische Bekämpfung des Fiebers durch Chinin, Antipyrin und kalte Bäder. Namentlich durch die energische Durchfuührung der Kaltwasserbehandlung ist die Mortalitätsziffer des T. neuerdings bedeutend herabgesetzt worden. Zur Verhütung weiterer Ansteckungen sind die Stuhlentleerungen der Kranken sofort durch Zusatz von fünfprozentiger Carbolsäure oder einprozentiger Sublimatlösung zu desinfizieren; auch die beschmutzte Bett⸗ und Leibwäsche der Kranken bedarf sorgfältiger Desinfektion. (S. unter Krankenwäsche.) Über den exanthematischen Typhus s. Flecktyphus, über den Rückfallstyphus s. Pebris recurrens.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 934Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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