FeedTyrrhenisches
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Tyrrhenisches Meer (lat. Mare Tyrrhenum) oder Tuscisches Meer (Mare Tuscum), auch Toscanisches Meer genannt, war schon bei den Alten der Name desjenigen Meeres, welches sich von den Meeralpen oder von Genua aus an der Südwestküste von Italien bis nach Sicilien hinab erstreckt. Doch nannte man den an der Küste von Ligurien gelegenen Theil, wie noch jetzt geschieht, auch das Ligustische oder Ligurische Meer (Sinus Ligusticus) oder den Busen von Genua. Beide Meere umfaßten die Römer mit dem allgemeinen Ausdruck Mare inferum. Tyrläos, elegischer Dichter, welcher die Spartaner durch seine Lieder während des zweiten Messenischen Kriegs zur Ausdauer im Kampfe begeisterte und nach der glücklichen Vollendung des Kriegs zu strenger Ordnung und Gesetzlichkeit zurückführen half. Nach der gewöhnlichen Tradition stammte er aus dem attischen Gau Aphidna oder aus Athen selbst und wurde den Spartanern auf, ihre Bitte von den Athenern als Anführer im Kriege zugesandt. Diese Erzählung wurde später dahin ausgeschmückt, daß die Athener den nach einem Spruche des Delphischen Orakels einen Heerführer von ihnen erbittenden Spartanern zum Hohne den T., einen lahmen und nach der allgemeinen Meinung etwas dummen Schulmeister, gesandt hätten. Allein diese,‚ an sich sehr unwahrscheinliche Erzählung wird durch einige Fragmente des T. selbst widerlegt, nasz welchen man ihn eher für einen geborenen Dorier IIi muß. Vielleicht war sein Geburtsort die kleine akonische Ortschaft Aphidna, was in Verbindung mit der Hilfssendung von Athen nach Sparta im dritten Messenischen Kriege (462 v. Chr.) zur Bildung jener Tradition Anlaß gegeben haben mag. Unter den Dichtungen des T. war die berühmteste die sog. Eunomia, ein längeres elegisches Gedicht ethisch-polit. Inhalts, worin er die durch den Krieg und mannigfache Not aufgeregten und nach Neuerungen begierigen Gemüter der spartanischen Bürger zu berwhigen nlr Ferner hatte man von ihm unter dem Titel «Uypothecaes eine Sammlung einzelner Elegien, welche zum Kampfe fürs Vaterland aufforderten durch Ausmalung der Ehre und des Ruhms, die den Tapfern, der Schande, welche den Airel erwartet. Endlich besaß man unter dem Titel Embaterias (Marschlieder) eine Anzahl kurzer Kampflieder in anapästischem Rhythmus, welche von den Spartanern, während sie in die Schlacht zogen, unter Flötenbegleitung Rfungen wurden. Die zahlreichen lberreste dieser Dichtungen sind am besten herausgegeben in Schneidewins Delectus poesis Graecae elegiacaes (Bd. 1, Gött. 1838) und in Bergks «Poctae lyrici Graecis (3. Bd., 4. Aufl., Lpz. 1882), übersetzt in Webers „Die elegischen Dichter der Hellenen (Frankf. 1826).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 937Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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