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ErdkundeBrockhaus 1882

Ulster, die nördlichste Provinz Irlands, grenzt im S. an Leinster, im SW. an Connaught, im üubrigen ans Meer, und zwar im O. an die Irische See und den Nordkanal. Die Küste ist vielfach zersplittert und bietet eine Menge tief eingeschnittener, zum Teil Binnenseen (Loughs) ähnlicher Baien und Hafenbuchten dar. Ein Teil der Nordküste, in der Mitte zwischen Benmore oder Fair-Head und der Mündung des Bann, ist gegen die heftige Meeresbrandung durch die merkwürdige Basaltbildung des Riesendamms oder Giant's Causeway (s. d.) geschützt. Die Oberfläche der Provinz besteht teils aus Niederungen oder flachgewellten, hügeligen Ebenen, teils aus vereinzelten, meist an den Küsten, aber auch im Innern aufsteigenden Berggruppen und ganzen Berglandschaften. So erheben sich im Südosten die Granitkette der Down⸗ oder Mourne-Mountains mit dem 850 m hohen Slieve-Donard, im Nordosten die Berge von Antrim mit dem 549m hohen Trostan und dem 478 mhohen Divis-Hill bei Belfast, im Norden die Sperrin-Mountains an der Grenze von Eawe und Londonderry mit dem 680 m hohen Sawel, im Nordwesten und Westen die Berglandschaften von Donegal mit dem Slieve-Snaght 613 m, Mukish 670 m, Errigal 752 m und Bluestack 676 m, im Südwesten die Berge von Fermanagh mit dem Cuilcagh 667 m. Die Provinz enthält, außer zahlreichen kleinern, die größten Binnenseen von Irland, den Lough-Neagh von 396 qkm und den Lough-Erne von 319 qkm. Aus dem ersten fließt der Bann gegen Norden, aus dem letztern der Erne in die Donegalbai gegen Nordwesten, zwischen beiden der Foyle gegen Norden in den mit dem Meere in Verbindung stehenden, 206 qkm großen Lough-Foyle. Von Carrick-on-Shannon führt der Shannonkanal zum obern Ernesee und von da der Ulsterkanal zum Blackwater- und Lough-Neagh. Auch fehlt es nicht an Morästen und Waldungen. Statt der ärmlichen Hütten des ubrigen Irland finden sich hier in den meisten Teilen hübsche Wohnhäuser, regelmäßige Anpflanzungen, wohlbestellte Getreide- und Flachsfelder, hin und wieder auch mehr entwickelte Fabrikthätigkeit. Nur die westl. Berggegenden von Donegal, wohin die Thätigkeit der eingewanderten Presbyterianer Schottlands noch nicht vorgedrungen, machen von diesem Charakter eine Ausnahme. Es ist diese Provinz der Hauptsitz der irischen Linnenmanufaktur, von welcher etwa ein Viertel der Bevölkerung ihren Unterhalt hat. U. umfaßt ein Areal von 22188,91 akm, von denen 28,17 Proz. dem Pfluge unterworfen sind, 6,5 auf Kleefelder und Wiesen, 28,9 auf Weiden, 0,96 auf Waldung und 4/1 auf Gewässer kommen. In der Provinz lebten 1881 noch 1739542 CE., oder 646831 weniger als 1841. Die Hauptnahrungszweige bilden die Viehzucht, der Acker⸗, besonders der Flachsbau, Fischerei, Schiffahrt, Leinenspinnerei und Weberei, Bleichen, Bierbrauerei und Handel mit Flachs, Leinwand, Butter, Salzfleisch. Die Provinz zerfallt in die neun Grafschaften Down, Antrim, Londonderry, Donegal, Tyrone, Armagh, Monaghan, Cavan und Fermanagh, die zusammen 54 Baronien und 332 Kirchspiele umfassen. Die bedeutendsten Städte sind jetzt Belfast (s. d.), Londonderry, Newry, Armagh, Carrickfergus, Enniskillen, Strabane. Im ersten. Jahrtausend der christl. Zeitrechnung erscheint U. unter den Namen Ulidia, Ullin, Guilly und Ulagh.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 11Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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