FeedUltramarin gewinnt
NaturlehreBrockhaus 1882

Ultramarin gewinnt, das man durch Rösten mit Schwefel in Ultramarinblau überführt. Das U. wird nach dem Rösten ausgewaschen, fein zermahlen und geschlämmt und nach dem Schlämmen getrocknet. In andern Fabriken stellt man sofort blaues U. durch Erhitzen eines Gemenges von Thon, Soda, Kohle und Schwefel dar. Es besteht aus Kieselerde (3740 Proz.), Thonerde (23—29 Proz.), Natron (18—21 Proz.) und Schwefel (813 Proz.). Es ist ein unfühlbares lasurblaues Pulver, das sich im Wasser nicht löst, von Seife und alkalischen Laugen nicht angegriffen wird, jedoch durch Säuren, selbst durch saure reagierende Salze, wie z. B. durch Alaunlösung, unter Entwickelung von Schwefelwasserstoffgas sich entfärbt. Das U. hat als blaue Farbe, weil ihr alle giftigen Eigenschaften abgehen, die Smalte und ähnliche Kobaltfarben fast gänzlich verdrängt. Es dient besonders zum Malen und Tünchen auf Kalkgrund, zum Tapetendruck, in der untpapierfabrikation, zum Druck auf Leinwand und Kattun, in der Buchdruckerei und in der Lithographie. Ein großer Teil des U. wird ferner angewendet, um an sich gelbliche Stoffe dem Auge rein weiß erscheinen zu lassen; so bläut man unter anderm die Leinwand, die Papiermasse, die Wäsche die Stärke „Stärke und endlich auch den Zucker. Das grüne Utramarin, ein glanzloses Pulver, findet namentlich als ordinäre Tuncher⸗, seltener a 8 Tapetenfarbe Anwendung. Gegenwärtig stellt man Auch violettes und rotes Ultramarin dar. Die chem. Konstitution des U. ist, obgleich in neuerer Zeit namhafte Chemiker mit dieser Frage sich befaßten, noch nicht absolut festgestellt. Vgl. Lichtenberger, „Beschreibung de fabrikmäßigen Darstellung des U.»„ (1864); Fürstenau, 4Die Ultramarinfabrikationo (Coburg 1864); Reinh. Hoffmann, «Die Entwickelung der Ul tion (Braunschw. 1875); Rob. Hei ltramarin (Gelbes), soviel wie Baryumromat, s. u. Baryum (Verbindungen 11).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 12Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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