Farbstoffe müssen in den höchsten Grad der Verteilung gebracht, zu einem völlig gleichmäßigen Brei, in welchem sich nicht das kleinste Klümpchen finden darf, verarbeitet werden. Bei den durch Riederschlagung gewonnenen Wasserfarben ist der Niederschlag, so wie er aus der Flüssigkeit durch Filtration abgeschieden wird, in dem für den Maler am besten geeigneten Zustande. Es werden daher auch viele F. in dieser Form, en pate, Blasenfarben, in den Handel gebracht. Alle andern F. müssen durch Zerreiben auf dem Reibstein, einer glatten Platte einer harten Steinart, mit dem abgeschliffenen Läufer so lange unter Zusatz von Wasser oder Ol präparierd werden, bis sie die erforderliche Feinheit erlanghaben. Diese höchst mühsame Arbeit wird jetzt vielfach durch Anwendung von durch Dampfkraft betriebenen Farbmühlen ersetzt. Obgleich alle F. auf die Grundfarben gelb, rot und blau zurückzuführen und aus Mischungen dieser darzustellen sind (s. unter Farbe [Physik), so bedient sich doch die Malerei einer Menge von veriedenen F., die teils Naturprodukte sind, wie veriedene Erden, Metalloxyde, Mineralien, meist aber chemische Präparate, wie Ultramarin, Bleiweiß, Chromgelb, Zinnober, dann aber auch zahlreiche Farblacke (s. d.). ei der Verwendung der F. ist zu berücksichtigen, daß sehr viele in hohem Grade giftig sind. Hierher — ören alle Präparate, — einen der folgenden toffe enthalten; Antimon, Arsen, en (Ausnahme: Schwerspat), Blei, Chrom (Ausnahme: Chromoxyd), Cadmium, Kupfer, Quecksilber (Ausnahme: Zinnober), Zink, Zinn, Gummigutt, Pikrinsäure. Die Verwendung aller dieser Farben bei der Zubereitung von Nahrungs⸗ und Genußmitteln, sowie zur Verzierung von Gebrauchsgegenständen ist mit Recht durch Reichsgesetz verboten. Zur Verzierung von Spielwaren ist dagegen die Verwendung von Zinkweiß und Chromgelb in Firnis oder Olfarbe gestattet. Arsen enthaltende F. dürfen weder im Tapetendruck, noch bei der Anfertigung von Bekleidungsstoffen benutzt werden. Von den gewöhnlichen F. gänzlich abweichend sind die Schmelzfarben, welche zum Färben des Glases, sowie in der Glas-, Email-, Porzellanfabrikation Verwendung finden. Diese nehmen erst die ihnen eigentümlichen F. an, indem sie mit den ihnen ugesetzten Flußmitteln bei hoher Temperaturschemisch, glasähnliche Verbindungen eingehen. Manche der Glasfarben zeigen dabei ein ganz eigentümliches Verhalten. So erscheint das Goldglas, oder das Kupferoxydul enthaltende Glas bei Schmelzhitze farblos und es bleibt auch farblos, wenn man es rasch erkalten läßt, während beide sich zum schönsten Rot entwickeln, wenn sie sehr langsam erkalten oder wenn die farblosen Gläser durch vorsichtiges Anwärmen auf eine bestimmte Temperatur gebracht werden. Bei der Verwendung der Schmelzfarben ist der Maler abhängig von der richtigen Auswahl seiner Farben, deren Effekt er aber beim Malen nicht mit dem Auge zu beobachten vermag, und außerdem noch von der Innehaltung ganz bestimmter Temperaturen beim Einbrennen, da sowohl eine zu hohe, wie eine zu geringe Hitze ganz andere als die beabsichtigten Erscheinungen hervorrufen kann. Vgl. auch den Artikel Pigment. Aus der neuern Litteratur über Farbstoffe sind hervorzuheben: Bolley, «Altes und Neues aus Farbenchemie und Färberei» (Berl. 1868); Sachße, Chemie und Physiologie der Farbstoffe, Kohlehydrate und Proteinsubstanzeno (Opz. 1877); Bersch, Fabrikation der Anilinfarbstoffes (Wien 1878); derselbe, «Fabrikation der Erdfarbendo (Wien 1878); derselbe, „Fabrikation der Mineral- und Lackfarbeno (Wien 1878); Gentele, «Lehrbuch der Farbenfabrikationo (2. Aufl., Braunschw. 1880); Mierzinski, „Die Erd⸗, Mineral- und Lackfarbend (Weim. 1881).