Upas (bei den Malaien soviel wie Gift bedeutend) heißen mehrere auf den hinterind. Inseln und Philippinen gebräuchliche Pflanzengifte. Das berüchtigtste Git dieser Art kommt von dem giftigen Antschar (Antiaris toxicaria), einem auf den Sunda-⸗Inseln und Philippinen wachsenden, über 25 m hohen Baume aus der Familie der Artocarpeen. (S. Antiaris.) Aus dem Milchsafte dieses Giftbaums (Pohon-Upas, auf Java Antschar, auf den Philippinen Ipo genannt) bereiten die Malaien unter Beimischung von Schlangengift, Pfeffer, Galgant- und Ingwerwurzelsaft ein Pfeilgift (s. d.), das Menschen und größere Säugetiere in kürzester Zeit tötet. Der Saft eines in jenen Ländern heimischen Liliengewächses, des Crinum asiaticum L., welches heftiges Erbrechen und Schweiß erregt, ist das einzige bekannte, von den Malaien lange Zeit geheim 3 Aatsche Gegenmittel. Obgleich schon der Saft des Antschar, frisch auf die Haut gebracht, giftig wirkt, gehören doch die Erzählungen von einem Giftthale auf Java, worin die Ausdünstung der zahlreichen Giftbäume jedes animalische und vegetabilische Leben sogleich vernichten sollte, in den Bereich der Mythe. Diese Fabeln verdanken ihre Entstehung dem häufigen Vorkommen des Antscharbaums in der Nähe von Kohlensäure ausströmenden Stellen vulkanischer Thäler, deren Grund sich mit einer Schicht des Gases, welches bekanntlich Tiere und Menschen erstickt, erfüllt. Dies erklärt das Vorkommen von Gerippen in solchen Thälern und in der Umgebung von Upasbäumen. Schneller noch und heftiger als dieses Gift wirkt das Upas Ljettek, welches aus der Wurzelrinde des javanischen Brechnußbaums (Strychnos n. eines armdicken, an den höchsten Bäumen emporkletternden Schlingstrauchs, bereitet wird. Der wirksame Bestandteil des Upasgifts ist das Antiarin, ein stickstofffreier Körper, welcher in farblosen Blättchen krystallisiert, in Wasser und Alkohol schwer löslich ist und mit Säuren, Basen und Metallsalzen eigentümliche Verbindungen eingeht.