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ErdkundeBrockhaus 1882

Usedom, eine 408 qkm Flächenraum mit etwa 30000 E. enthaltende Insel von etwa 45 km Länge und 22 km Breite im Regierungsbezirk Stettin der preuß. Provinz Pommern, scheidet mit der östlich von ihr, jenseit der Swine gelegenen kleinern Insel Wollin, mit welcher sie den Kreis Usedom-Wollin (687,0 akm mit 48856 E.) bildet, das Pommersche Haff, und zwar dessen westl. Teil oder das Kleine Haff, von der Ostsee und ist ihrerseits durch den Peenestrom vom Festlande getrennt, auf welcher Seite sie vielfach, namentlich durch das Achterwasser, zerrissen wird. Hinter ziemlich hohen Dünenhügeln tritt, wie auf Wollin und Rügen, unter den Diluvialbildungen weiße Kreide hervor und bildet einige Anhöhen, die im südl. Teile mit ihren Buchenhainen und Aussichten auf Meer, Haff und Festland, wie auf die zahlreichen Seespiegel der Insel selbst derselben landschaftliche Reize verleihen, welche an Schönheit mit denen von Rügen wetteifern. Solche Höhen sind der 48,87 m hohe Streckelsberg, der Glaubensberg bei dem ehemaligen Kloster Pudagla, der Kickelsberg bei Benz und besonders der 525m hohe Golm bei Swinemünde. Der Westen ist flacher, aber fruchtbarer, der Norden am ödesten, mit niedrigen Dünen besetzt, von Einbrüchen des Meeres bedroht. Im ganzen ist die Insel eine Ebene, mit Brüchen, Mooren, Torfgründen und Wiesen, zahlreichen Seen und beträchtlichen Waldungen, aber auch mit ziemlich fruchtbarem Ackerboden bedeckt. Feldbau, Viehzucht, Heringsfischerei, Schiffahrt und Handel, Lotsendienst und Einsammlung von Bernstein bilden die Nahrungszweige der Einwohner. Die ganze Südküste der Insel wird von der Linie Ducherow-Swinemünde der Preußischen Staatsbahnen begleitet. Die Stadt Usedom an der Südwestseite der Preußt an der Linie Ducherow-Swinemünde der Preußischen Staatsbahnen, im Hintergrunde einer seeartigen Bucht, die durch die sog. Kähle mit dem Kleinen Haff in Verbindung steht, ist sehr alt, indem schon 1128 Herzog Wratislaw I. daselbst einen Landtag hielt, auf welchem die Pommern das Christentum annahmen. Der Ort zählt (1885) 1825 C., die n und Fischerei treiben. Bedeutender ist die „Hauptstadt Swinemünde (s. d.), der Sitz der Kreisbehörden und bekannter Badeort, wie das benachbarte Heringsdorf (s. d.). Vgl. Gadebusch, «Chronik der Insel U.» (Anklam 1863).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 84Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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