Wollin, eine 280 qkm Flächeninhalt mit etwa 19000 E. enthaltende Ostsee-Insel von etwa 30 km Länge und 19 km Breite im Regierungsbezirk Stettin der preuß. Provinz Pommern, bildet mit der Insel Usedom (s. d.), von der sie im Westen durch die Swine wie im Osten vom Festlande durch die Divenow getrennt ist, den Kreis Usedom-Wollin. Die Insel ist unter den preuß. Inseln die am wenigsten vom Meere zerrissene. Der tief einschneidende Vietziger See und die sich daran anschließende moorige Niederung Liebeseele mit einem Entwässerungskanal teilt die Insel in zwei Teile. Der westliche ist flach, teils sandig, teils moorig, nur zuweilen von dünenartigen Erhöhungen unterbrochen, und hat im nördl. Teil Kiefernwaldungen. Der östlich vom Vietziger See gelegene Teil von W. steigt steil aus dem Meere empor und hat in den Lebbinischen Höhen einige schöne Aussichtspunkte. Die Insel hat zahlreiche Seen, worunter namentlich der schöne Jordansee hervorzuheben ist, ansehnliche Waldungen sowie gute Viehweiden. Die Einwohner treiden Landwirtschaft und Viehzucht, finden auch als Waldarbeiter und in den Cement-, Kalk⸗ und Ziegelbrennereien der Insel ihren Unterhalt. Außerdem ist der Fischfang und der Fischhandel bedeutend, namentlich werden sehr viele und große Aale gefangen (Pritteraale), die man geräuchert weit versendet. An der Südostecke der Insel liegt, durch Brücken, welche über die dreiarmige Divenow führen, mit dem Festlande verbunden, die einzige Stadt Wollin mit (1885) 5300 E., die Schifffahrt, Schiffbau, Fischfang und Holzhandel treiben, auch Viehzucht und Pferdemärkte unterhalten. Die Stadt ist Sitz eines Amtsgerichts und hat ein Realprogymnasium, eine höhere Töchterschule, drei Werfte und lebhaften Handel. Sie war seit 1125 Sitz eines Bistums, das 1170 nach dem gegenüberliegenden Kammin verlegt wurde, und nimmt die Stelle des alten Julin oder Vineta (s. d.) ein. Die Stadt W. wurde 1636 von den Schweden, 27. Aug. 1659 von den Brandenburgern eingenommen, 5. Okt. 1675 von letztern und 16. Sept. 1759 von erstern erstürmt. An der Nordküste ist in neuester Zeit das Fischerdorf Misdroy als Seebad in Aufnahme gekommen.