Valladolid, Hauptstadt (Ciudad) der span. Provinz gleichen Namens (7880 qkm mit 11877 247 453 E.), in gut angebauter Ebene, 679 müber dem Meere, an der Einmündung der Esgueva in Pisuerga und am südl. Ende des Kanals von Castilien, Station der Linie Irun-Madrid der Nordbahn und bedeutender Straßenknotenpunkt, zählt (1877) 52206 E. und ist Sitz des Generalkapitäns von Alteastilien, eines Erzbischofs und einer Filiale der Bank von Spanien. Die große ziemlich regelmäßig gebaute Stadt hat schöne Plätze, so die Plaza mayor, ein großes, von auf einem Säulenportikus ruhenden Häusern umschlossenes Viereck, das dreieckige Campo Grande mit Alleen, el Ochavo, ein achteckiger Platz, von welchem sechs Straßen 171r förmig ausgehen. Unter den sechs Thoren ist die mit einer Statue Karls III. gezierte Puerta del Carmen hervorzuheben. V. hat 15 Pfarrkirchen, eine 1346 gestiftete Universität, Schulen für Mathematik und Zeichenkunst und eine Akademie der Künste und Wissenschaften. Unter den öffentlichen Gebäuden zeichnen sich aus: die von Philipp II. 1585 gegründete und von Herrera begonnene, doch unvollendete Kathedrale; der alte königl. Palast, ehemals Residenz der castil. und span. Könige, bis Philipp III. für immer seinen gewöhnlichen Wohnsitz zu Madrid nahm; das vom Großingqusitor Torquemada erbaute ehemalige Dominikanerkloster San-Pablo, jetzt Zuchthaus, mit prächtigem got. Portal. Das ehemalige Benediktinerkloster ist in eine stark befestigte Kaserne umgewandelt worden. Das Colegio de Sta.⸗Cruz enthält gegenwärtig ein Kunstmuseum mit sehr wertvollen Gemälden und Skulpturen, sowie eine Bibliothek von 14000 Bänden. V. hat eine lebhafte Industrie: eine bedeutende Eisengießerei, Wollweberei, Fabrikation von Tuch, Seidenzeug, Band, Gold- und Silberwaren, Papier, Chemikalien, Mehl, Fayence und Leder. Alljährlich findet hier in der zweiten Hälfte des September eine große Messe statt. In der Umgegend wird Pferde⸗, Esel⸗ und Maultierzucht betrieben. Zu V. (mittellat. Vallisoletum) wurden Philipp II. und Anna, die Gemahlin Ludwigs XIII., geboren, und Columbus starb daselbst. Im J. 1561 zerstörte eine Feuersbrust den größten Teil der Stadt, welche auf Befehl Philipps II. nach einem neuen Plane regelmäßiger als vorher wieder aufgebaut wurde.