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Haus & KücheBrockhaus 1882

Vase (vom lat. vas oder vasum, Gefäß, Geschirr) wird jetzt allgemein gebraucht zur Bezeichnung der bemalten griech. Thongefäße, welche in fast zahllosen Eremplaren in antiken Gräbern in Griechenland und seinen Kolonien bis zu der Halbinsel Krim und der Nordküste von Afrika, besonders aber im mittlern und sudl. Italien und auf der Insel Sicilien gefunden worden und in zählreichen Sammlungen Italiens (besonders in Rom, Neapel und Florenz), Frankreichs (Paris), Englands (im Britischen Museum), Deutschlands (Verlin, München und Wien), Dänemarks (Kopenhagen), Rußlands (Petersburg) aufgestellt sind. Die gesamte Masse scheidet sich nach der Technik in zwei Hauptklassen, eine ältere mit schwarzen und bräunlichen Figuren auf rötlich-gelbem Grunde und eine jüngere mit rötlich-gelben Figuren auf glänzend schwarzem Grunde. Was das technische Verfahren bei der Bemalung anlangt, so wurden bei der ältern Klasse zunächst die Umrisse der Figuren mit einem scharfen Instrument in den Thon eingeritzt, die Fläche innerhalb derselben mit schwarzer Farbe ausgefüllt, dann alle Linien, durch welche die Körperteile, die Muskulatur und Gewandung bezeichnet werden, eingeritzt, sodaß die helle Farbe des Thons wieder zum Vorschein kam. Bei den V. mit gelben Figuren wurden die Umrisse auf den ungefirnißten Thon mit feinen schwarzen Linien, innerhalb der Umrisse sehr fein mit schwarzer Farbe gezogen, endlich der Grund des ganzen Gefäßes außer den Figuren mit schwarzem glänzenden Firnis überzogen. Nebenher sehen wir besonders bei den ältern und dann den spätesten prächtigen Vasenbildern auch andere Farben zur Hervorhebung gewisser Nebendinge angewandt: in älterer Zeit dunkles Rot (Violett) und Weiß, später auch Gold, Braunrot und Grün. Diese Farben sind durchaus Deckfarben. Eine besondere nicht zahlreiche Klasse bilden die V. mit bunter Zeichnung 6e weißem Grund; bei diesen wurde das ganze Gefäß mit weißem Pfeifenthon überzogen, und darauf teils bloße Umrißzeichnungen mit dunkler Farbe angebracht, teils diese Umrisse mit bunten Farben koloriert. In Hinsicht auf den Stil der Zeichnung zerfällt jede der beiden Hauptklassen wieder in mehrere Arten. Bei der ältern Klasse unterscheidet man Gefäße des ältesten Stils, die man nach der großen libereinstimmung ihrer wesentlich ornamentalen (Tierfiguren, Jagdscenen u. dgl. darstellenden) Malereien mit orient. Bildwerken auch als phönikisierende bezeichnet, und die schon, besonders auch in Hinsicht der dargestellten Mythen, rein griechischen des alten Stils. Die V. mit gelben Figuren teilt man in die des strengen oder üÜbergangsstils, des schönen und des reichen oder prächtigen Stils. Die Mehrzahl der griechischen V. stammt aus Athen. Der Zeit nach kann man diese athen. Fabrikate ungefähr den beiden Jahrhunderten von 500 bis 300 v. Chr. zuschreiben. Nichtathen. Ursprungs sind die V. des ältesten Stils, welche hauptsächlich aus Korinth und von den Inseln Thera und Melos stammen, und die jüngste Art, die des reichen Stils, die, wie sie fast ausschließlich in Unteritalien (Apulien und Lucanien) gefunden werden, so auch dort, hauptsächlich wohl im 4. und 3. Jahrh. v. Chr., fabriziert worden sind. Auch in Etrurien hat man, im Anschluß an griech. Vorbilder, bemalte V. fabriziert, die aber durch plumpere Zeichn gröbern Thon, mattern Firnis und rohere Zeichnung, oft auch durch etruskische Inschriften leicht kenntlich sind. Ganz irrig ist die von ital. Gelehrten ausgegangene Bezeichnung der bemalten Thongefäße überhaupt oder doch der ältern Klasse als æetrurische V.r, vielmehr herrschte in Etrurien durchaus die Fabrikation von (schwarzen oder roten) Gefäßen mit Reliefs vor, wie auch die Römer sich fast ausschließlich solcher mit Reliefs verzierter Gefäße von glänzend rotem Thon (der sog. arretinischen Gefäße, nach dem Hauptfabrikationsorte Arretium in Etrurien, dem jetzigen Arezzo) bedienten, von welchen sich überall, wo röm. Niederlassungen bestanden haben, zahlreiche Bruchstücke vorfinden. Was die Bestimmung der bemalten griechischen V. anlangt, so haben dieselben nur zum kleinern Teil zum wirklichen Gebrauch, wie zur Mischung des Weins mit Wasser, zur Toilette der Frauen, zum Aufbewahren des den Siegern in den Panathenäischen Festspielen in Athen als Siegerpreis gegebenen Ols (die sog. panathenäischen Preisgefäße) gedient; die Mehrzahl dagegen ist offenbar nur zur Ausschmückung der Gräber, gleichsam als Erinnerungszeichen an dieses Leben, angefertigt worden, was nicht ausschließt, daß die wirklichen Gefäße des Lebens, wie aus zahlreichen Bildern hervorgeht, dieselben Formen hatten, so die Trinkgefäße, die Wasserkrüge, die Amphoren oder Vorratsgefäße. Vgl. Kramer, aüber den Stil und die Herkunft der bemalten griech. Thongefäßes (Berl. 1837); O. Jahn, „Einleitung in die Vasenkunde »(in der „Beschreibung der Vasensammlung des Königs Ludwig von Bayerno, Münch. 1854). Um die Veröffentlichung der Vasenbilder hat sich besonders Eduard Gerhard (s-d.) durch zahlreiche Publikationen verdient gemacht; die vollständigste Sammlung von Zeichnungen nach Vasenbildern gaben Lenormant und de Witte unter dem Titel Elite céramographiques (Par. 1838 fg.). Vgl. außerdem Lau, Die griechischen V., ihr Formen⸗ und Dekorationssystemo (41 Tafeln mit Text von Krell, Lpz. 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 125Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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