Vattel (Emerich von), berühmter Publizist, geb. 25. Aug. 1714 zu Couvet im Fürstentum Neuchätel, Sohn eines prot. Pfarrers, studierte zu Basel und Genf Humaniora und Philosophie, besonders aber die letztere nach Leibniz und Wolf. Nachdem er durch die scharfsinnige Schrift Défense du systéme Leibnitien, etc.o (Leid. 1741) die Aufmerksamkeit auf sich gezogen, wandte er sich als preuß. Unterthan nach Berlin, wo er sich vergeblich um Anstellung in polit. Geschäften bewarb, sodaß er 1743 nach Dresden ging. Hier erhielt er durch den Grafen Brühl ein Jahrgehalt und den Titel eines Legationsrats und ward als sächs. Gesandter nach Bern geschickt. In dieser Stellung fand V. Muße, sein berühmtes Werk vorzubereiten, das später unter dem Titel Droits des gens, ou principes de la loi naturelle appliqués à la conduite et aux affaires des nations et des souverainso (zuerst 2 Bde., Neuchatel 1758; dann wiederholt zu Paris, London u. s. w.; endlich vermehrt und mit einer biographischen Notiz über V., 2 Bde., 4., Amsterd. 1775; deutsch von Schulin, Nürnb. 1759, Mitau 1771 u. s. w.; neueste Ausg., 3 Bde., Par. 1863) erschien. B. vertritt in diesem Werke die Grundsätze der Aufklärung und der Vernunft gegen die Politik des Patrimonialstaats, sowie der Humanitat und der nationalen Selbständigkeit wider die herkömmliche Barbarei und die fremde Gewalt. Außerdem gab er während seines Aufenthalts in Basel mehrere kleinere Schriften, wie «Mélanges de littérature, de morale et de politiquer, Loisirs philosophiqueso (Dresd. 1747) und La poliergies (Par. 1757) heraus. Sein letztes Werk war HQuestions de droit naturel, ou observations sur le traité du droit de la nature par Wolfo (Bern 1762), in welchem er ebenfalls Methode und Demonstrationen des letztern einer scharfsinnigen Kritik unterzog. Seit 1758 von Basel nach Dresden zurückberufen, arbeitete er hier mit Eifer als Geheimrat im kurfürstl. Kabinett. Er starb auf einer Reise zu Neuchätel 20. Dez. 1767. Sein Sohn war Staatsrat im Fürstentum Neuchatel. Bauban (Sebastien le Prêtre de), franz. Marschall und genialer Verbesserer des Ingenieurwesens, geb. 1. Mai 1633 zu St.⸗Leger de Foucher bei Avallon in Burgund, trat in seinem 17. Jahre bei der span. Armee im Regiment Condé, welches damals gegen Frankreich focht, heimlich als Kadett in Dienste und wurde von Condé, dem er durch seine mathem. Kenntnisse auffiel, als Ingenieur benutzt. Im J. 1653 gefangen genommen, wurde B., 22 J. alt, als Offizier im franz. Ingenieurkorps angestellt. Er zeichnete sich bei mehrern Festungsangriffen vorteilhaft aus und leitete schon 1658 als General die Belagerungen von Gravelines, Ppern und Oudenarde selbständig. Nach dem Frieden begann er 1662 die Anlagen zur Befestigung von Dünkirchen. Im ersten Kriege Ludwigs XIV. zwang er 1667 mehrere belg. Festungen zur Kapitulation. Im J. 1669 wurde er Generalinspektor sämtlicher franz. Festungen und bald der berühmteste Kriegsbaumeister seiner Zeit; er hat 33 feste Plätze neu erbaut und 300 alte verbessert, hat 53 Belagerungen geleitet, 140 Gefechten und Schlachten beigewohnt, aber nie Gelegenheit gehabt, auch nur Eine Festung zu verteidigen. Der Angriff machte durch ihn große Fortschritte und überflügelte die Verteidigung. Diese Reform bewirkte V. vorzüglich durch die Parallelen (s. d.), welche er 1673 vor Mastricht, und den Rikoschettschuß (s. d.), den er 1697 vor Ath zuerst anwandte. Im Festungsbau verstand es V. meisterhaft, die Befestigungen dem Gebäude anzupassen; nirgends findet man bei ihm ein peinliches Streben nach regelmäßigen Formen. Im Grundriß ist den Forderungen des Defilements, im Profil der Lokalität aufs scharfsinnigste Rechnung getragen. Nach V.s Tode hat man aus seinen Bauten drei sog. Vaubansche Manieren abgeleitet, welche sämtlich dem von den Italienern überkommenen Bastionärsystem angehören und deren spätere sog. Verbesserungen durch mittelmäßige Köpfe nur beweisen, wie V. bei seinen Befestigungsanlagen stets das Ganze und den Kriegszweck im Auge und für unwesentliche Einzelheiten keine Zeit übrig gehabt. Die Befestigungsweise V.s und seiner Nachfolger blieb über ein Jahrhundert in Europa maßgebend und ist es in Frankreich bis in die neueste Zeit gewesen. Die Vaubansche erste Manier, welche bei der großen Mehrzahl seiner Festungen zur Anwendung gelangt ist (s. Festungsbau), kennzeichnet sich durch geräumige Bastione und kurze, vom Gewehrfeuer zu bestreichende Verteidigungslinien, eine Grabenschere, mannigfache und zweckmäßige Außenwerke (nur das Ravelin zu klein), Waffenplätze im gedeckten Wege lebenfalls zu klein) und beträchtliche Höhe der Profile, daher Sturmfreiheit der Werke. Hohlbauten fehlen im allgemeinen. Bei der zweiten und dritten Manier, welche nur bei drei Festungen vorkommt, finden wir solche in beschränktem Umfang zugefügt und eine abschnittsweise Verteidigung angestrebt. Auch in andern Bauten zeichnete sich V. aus, wie die Schleuse von Gravelines und der Hafen von Toulon beweisen. Der Vaubansche Festungsangriff, welcher bis in die neuere Zeit als mustergultig dastand, hat durch die Ausbildung der gezogenen Geschütze in artilleristischer Hinsicht wesentliche Anderungen erlitten, liegt aber dem Ingenieurangriff auch gegenwärtig noch der Hauptsache nach zu Grunde. V.s Einfluß im Heerwesen bewirkte 1703 die Abschaffung der Piken und die allgemeine Einführung des Steinschloßbajonettgewehrs bei der franz. Infanterie. J. 1699 wurde V. Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften, und 1703 erhielt er den Marschallsstab. Doch zog ihm 1705 eine Denkschrift während des Spanischen Erbfolgekriegs die Ungnade des Königs zu, sodaß er in Ruhestand versetzt wurde. Er starb 13. März 1707 und hinterließ nur Handschriften, von denen ein Teil später unter dem Titel 4Oisivetés de M. de V. „ (4 Bde., Par. 1843—46) herausgegeben wurde. Auch ist seine Wirksamkeit in den K&Oeuvres militairesy, herausgegeben von Foissac (3 Bde., Par. 1793), in dem (Traité de Pattaque des piaceso von Augoyat (Par. 1829) und in dem «Traité de la défenscy, nach einer von ihm selbst durchgesehenen Handschrift, mit einer Vorrede des Generals Valazé (Par. 1829), und in mehrern andern Werken niedergelegt. Ferner wurden nach seinen Handschriften bearbeitet Mémoires pour servir d'instruction dans la conduite et dans la défense des places (Leid. 1740; deutsch, Berl. 1744). Seine „Mémoires militaires« wurden erst in neuester Zeit von Favé herausgegeben (Par. 1847); auch erschienen Mémoires inédits du marêchal V. sur Landau, Luxembourg etc.e (Par. 1841). Die unter seiner Leitung verfertigten Modelle der franz. Festungen wurden von den Verbündeten 1815 mit fortgenommen und befinden sich zum Teil in der Ruhmeshalle (Zeughaus) zu Berlin. Vgl. Chambray, «Notice historique sur V.» (Par. 1845).