FeedVertäuen
VerkehrBrockhaus 1882

Vertäuen heißt ein Schiff so vor zwei Anker legen, daß der eine vorn, der andere hinten liegt und das Schiff selbst sich in der Mitte zwischen beiden befindet. Man führt dieses Manöver in der Weise aus, daß man zunächst einen Anker fallen läßt, 60, 80, 100 m etc. je nach Erfordernis darüber fort segelt, dann den zweiten Anker wirft und die Hälfte der ersten Ankerkette wieder einwindet. Das V. geschieht gewöhnlich an Orten, wo Ebbe und Flut herrscht, weil bei dem Wechsel derselben sich dann nur das Schiff um sich selbst drehen, aber sich die Kette nicht um den aufrecht stehenden Stock des Ankers schlingen kann. Dieser Fall tritt leicht ein, wenn das Schiff vor einem einzelnen Anker liegt, und bei Flutwechsel mit der ganzen Kettenlänge einen Halbkreis um jenen beschreibt, wodurch der Anker aus dem Grunde gerissen werden kann, sobald größere Kraft auf die Kette kommt. Ebenso vertäut man Schiffe, wo es an Platz mangelt, weil alsdann der Radius eines bei Wind⸗ und Stromwechsel beschriebenen Kreisbogens nicht mit der Länge der Ankerkette + Länge des Schiffs, sondern nur aus letzterer besteht. Um zu verhüten, daß die Ketten eines vertäuten Fahrzeugs sich vor dem Schiffe in Schlingen umeinander drehen, wodurch beim Ankerlichten große Schwierigkeiten entstehen würden, befestigt man beide an dem Klüsen (s. d. in einem eisernen Winkelringe, dem Moorringsschäkel, sodaß man jederzeit die Schlinge leicht aufdrehen kann.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 231Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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