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HimmelskundeBrockhaus 1882

Vesta, der 4. Asteroid, s. unter Planeten. Bestalinnen oder Vestalische Jungfrauen hießen die Priesterinnen der Vesta (f. d.), deren es anfangs angeblich nach Numas Satzung vier, dann (seit Tarquinius Priscus oder Servius Tullius) sechs gab. Gewählt wurden sie ursprün lich von dem Könige, später von dem Pontifexr Maximus (Oberpriester), und zwar mittels Losung unter 20 auserwählten Mädchen. Bedingungen der Annahme waren, daß sie nicht unter sechs und nicht über zehn Jahre alt waren, daß sie kein körperliches Gebrechen an sich hatten, und daß ihre Eltern, beide von freier Abkunft, noch lebten. Sie waren 30 J. zum Dienst verpflichtet. Nach dieser Zeit konnten sie austreten und sich verheiraten; doch geschah dieses äußerst selten, da man glaubte, daß es nicht zum Guten ausschlage. Die älteste unter ihnen stand unter Oberleitung des Pontifer Maximus (s. d.) an ihrer Spitze. Die V. wohnten klösterlich zusammen im Atrium (s. d.) und den anstoßenden Räumen, neben dem auch der Pontifer Maximus im Atrium Regium seine Wohnung hatte, bis Augustus, der sich ein Haus auf dem Palatin erbaute, auch die Räume dieser Wohnung den V. abtrat. Ihre Pflichten bestanden bei strenger Bewahrung der Keuschheit vor allem in Erhaltung des heiligen Feuers, Reinhaltung und Reinigung des Tempels mit Wasser, Herrichtung und Aufbewahrung des Speltschrots mit der Salzlake und gewisser ittel zur Lustration, Verrichtung von Opfern an Vesta und andere Götter, Bewachung der Heiligtümer, worunter wenigstens in der Kaiserzeit ein sog. Palladium sich befand. Verletzung der Keuschheit wurde mit Lebendigbegraben auf dem Campus Sceleratus, das Verlöschen des heiligen Feuers mit Geißelhieben bestraft. Der Entehrer einer Vestalin wurde zu Tode Weun cht. Die V. genossen bedeutende Ehrenrechte. enn sie ausgingen, schritt ein Liktor vor ihnen Wa bei gewissen Gelegenheiten durften sie im agen fahren; auf Beleidigung ihrer Person stand Todesstrafe. Begegneten sie zufällig einem zum Tode verurteilten Verbrecher, so war dieser gerettet. Nus Kleidung bestand in einem langen weißen ewande, einer Stirnbinde, von welcher Bänder herabhingen, und bei Opfern einem Schleier. Neuere Ausgrabungen haben die Reste des Tempels der Vesta, sowie der Wohnung der V. bloßgelegt. Vgl. Lanciani in der Notizie dei scaviv (Rom 1884) und Jordan, «Der Tempel der Vesta und das Haus der V.y (Berl. 1886).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 238Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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