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Sagen & MythenBrockhaus 1882

Vespertücher, Vesp eraltücher, telae strangulae, cortinae altaris, heißen die Tücher, mit welchen man nach dem Morgengottesdienste und der erfolgten Entfernung der weißen Altarbekleidung, zur Reinhaltung der letztern, die obere Fläche des Altartisches für den übrigen Teil des täglichen Gottesdienstes bekleidete. Die Anwendung der V. läßt sich bis in das 17. Jahrh. hinein verfolgen, in welchem man, beim Mangel an Interesse an der würdigen Ausstattung der Gotteshäuser, das große Altarleinen Tag und Nacht liegen ließ, sodaß die . überflüssig wurden. Vespucci, s. Amerigo Vespucci. Besta, grch. Hestia, eine alte griech.⸗italische Göttin des Herd⸗ und Opferfeuers, welches als Ausgangspunkt aller Gottesverehrung und aller menschlichen Ansiedelungen betrachtet wurde. In Griechenland wurde ihr bei Kulthandlungen, in den Privathäusern wie in den öffentlichen Heiligtümern, zuerst, gleichsam als Einleitung, eine Weihespende dargebracht, sodaß amit der Hestia beginneno ein sprichwörtlicher Ausdruck für den richtigen Anfang jeder Sache war. Als Erklärung des Brauchs erzählte die Sage: um Hestia, die älteste Tochter des Kronos und der Rhea, haben Apollon und Poseidon geworben. Diese aber habe beim Haupte ihres Bruders Zeus geschworen, Jungfrau zu bleiben, worauf ihr Zeus jene Ehre verliehen habe. Die Hauptstätten ihrer Verehrung in Griechenland waren die Prytaneien (Stadthäuser), in welchen der als Mittelpunkt des Staats betrachtete Gemeindeherd stand, auf dem ewiges Feuer unterhalten wurde. Bei Aussendung von Kolonien pflegte man von diesem mitzunehmen, um das Feuer auf dem gemeinsamen Herde der neuen Ansiedelung zu entzünden. Noch bedeutsamer als in Griechenland war der Kultus der V. in Italien. Hier wurde der Sage nach ihr Kult aus Alba-Longa, wo sie, wie in Lavinium, ein Heiligtum besaß, nach Rom gebracht, wo ihr angeblich von Numa gegründeter Tempel in einem Haine am Abhange des palatinischen Hügels gegen das Forum hin lag. Es war dieser Tempel ein Rundbau mit einem Opferherde, auf welchem ewiges Feuer unterhalten wurde, und mit einem nur den Priesterinnen der Göttin, den Vestalinnen (. d.), zugänglichen Raume, in welchem geheimnisvolle Heiligtümer, darunter wenigstens in der Kaiserzeit das Palladium (s. d.), aufbewahrt wurden. Zugleich mit ihr verehrte man die Penaten (s. d.). Das Hauptfest der Göttin, die Vestalia, wurde am 9. Juni nach vorhergängiger vollständiger Reinigung des Tempels gefeiert. Die röm. Frauen brachten dann mit bloßen Füßen im Tempel Speiseopfer in einfachen Schüsseln dar. Die bildende Kunst pflegt die Göttin als eine reichbekleidete, ernste und würdevolle Frauengestalt, das Hinterhaupt gewöhnlich mit einem Schleier bedeckt, darzustellen. Eine sicher V. darstellende Statue ist aber nicht erhalten, da sie in Griechenland vergleichsweise seltener waren und ihr Kultus wenigstens prinzipiell in Rom ein bildloser war. Doch gibt es einige Abbildungen von Hestia auf Vasen und Reliefen und von B. auf Reliefen, Wandgemälden, Münzen. Die griech. Philosophen haben die Hestia zur Repräsentantin des Centralfeuers des Weltgebäudes, sowie auch zur Erdgöttin gemacht. Vgl. Preuner, „(Hestia-Vestav (Tüb. 1864). (S. Vestalinnen.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 238Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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