Vincke (Ernst Friedr. Georg, Freiherr von), hervorragender liberaler Parteiführer und Redner in der preuß. Kammer, des vorigen ältester Sohn, geb. 15. Mai 1811 zu Busch bei Hagen in der Graf-Biele Mark, besuchte seit 1825 das Gymnasium zu Bielefeld, studierte dann seit 1828 die Rechte auf den Universitäten Göttingen und Berlin und betrat 1832 als Auskultator beim Stadtgericht zu Berlin die praktische Laufbahn. Nachdem er seit Ende 1834 als Referendar beim Land⸗ und Stadtgericht zu Minden, demnächst beim Oberlandesgericht zu Münster gewirkt, übernahm er im April 1837 das Amt des Landrats im Kreise Hagen, welchem er bis Mai 1848 vorstand. Als Abgeordneter der Ritterschaft der Grafschaft Mark wohnte er den westfäl. Provinziallandtagen von 1843 und 1845 bei und machte sich schon hier als geistreicher, scharfsinniger und schlagfertiger Redner geltend. Noch mehr erregte seine Thätigkeit auf dem Vereinigten preuß. Landtage von 1847 die Aufmerksamkeit. Streng auf dem Rechtsboden fußend und aus diesem Gesichtspunkte das königl. Patent vom 3. Febr. 1847 beurteilend, nahm er an den meisten wichtigen Debatten hervorragenden Anteil, indem er die streng konstitutionelle Ansicht nach engl. Vorbilde gegenüber den feudalständischen Restaurationsneigungen verfocht. Von dem Wahlbezirk Hagen in die Deutsche Nationalversammlung gewählt, zeigte er sich entschieden antirevolutionär und bewies sich als einen der bedeutendsten Führer der konstitutionellen und erbkaiserl. Partei. Ende 1849 trat B. in die preuß. Zweite Kammer, wo er die Politik des Ministeriums ebenso lebhaft bekämpfte wie die demokratische Linke. Er gehörte der Zweiten Kammer mit kurzen Unterbrechungen bis 1867 an. Auch war er Mitglied des vom März bis Mai 1850 zu Erfurt tagenden Unionsparlaments, sowie des konstituierenden und des ordentlichen Norddeutschen Reichstags. Er starb zu Bad Oeynhausen 3. Juni 1875. B. war langjähriger Führer der sog. altliberalen Partei. Beredt, schlagfertig, voll kaustischen Witzes und doch vom Ernst der Gesinnung getragen, gehörte er zu den Zierden des parlamentar. Lebens in Deutschland. Durch den 1846 erfolgten Tod seines Vetters, des durch mehrere geschichtliche Schriften bekannten Ernst Ludwig von V., kam er in den Besitz des großen Familienstammgutes Ostenwalde im Hannoverischen, wo er seinen gewöhnlichen Aufenthalt hatte. BViucke (Karl Friedrich Gisbert, Freiherr von), geistvoller Novellist und Dichter, Bruder des vorigen, geb. 6. Sept. 1813, erhielt seine Gymnasialbildung 1826—30 zu Bielefeld und studierte dann bis 1834 zu Heidelberg und Berlin die Rechte. Von der jurist. * trat er jedoch bald zur Verwaltung über, legte 1842 das Staatsexamen ab und wirkte dann als Mitglied der Regierungen zu Potsdam (seit 1842) und Münster (seit 1846), bis er 1860 wegen Augenleiden seinen Abschied nahm. Litterarisch hat er sich durch eine Reihe belletristischer Schriften bekannt gemacht. Dahin gehören Sagen und Bilder aus Westfalen» (Hamm 1856; 2. Aufl. 1857), Gedichte (Berl. 1860), die Novellensammlung Im Bann der Jungfraus (2. Aufl., 3Bde. Hannov. 1873), Reisegeschichten. Novellenbuch in Versen» (Münst. 1869), Lustspieles (Münst. 1869); ferner Rose und Distels (Dessau 1853; 2. Aufl., Weim. 1865), ABC für Haus und Welte (3. Aufl., Berl. 1875), «Ein kleines Sündenregister» (3. Aufl., Freiburg i. B. 1885).