Vincke (Karl Friedr. Ludw., Freiherr von), preuß. Abgeordneter, der jüngern Linie des Geschlechts angehörig, geb. 17.April 1800 in Minden, besuchte 1822—24 die Kriegsschule und ward 1824 zur trigonometr. Abteilung des Generalstabes kommandiert, in welcher Stellung er mehrere Jahre unter dem damaligen Kapitän, spätern General Baeyer bei der Triangulation von Schlesien und Posen thätig war. Im J. 1829 in den Generalstab versetzt, avancierte er 1832 zum Kapitän und wurde als solcher dem Generalkommando des 6. Armeekorps zugeteilt. Im J. 1837 ging er mit Moltke und einigen andern preuß. Offizieren in die Türkei, um dort bei der Organisation der Armee mitzuwirken. Bei Ausbruch des Kriegs mit Mehemed Ali ward B. im Dez. 1838 nach Angora zu Isset Mehmet Pascha entsendet, um diesem während des Feldzugs beratend zur Seite zu stehen. Im Sommer 1839 von König Friedrich Wilhelm III. zurückberufen, wurde er 1840 zum Major befördert und im Generalstabe des Gardekorps angestellt. Doch schied er 1843 mit Urlaub auf unbestimmte Zeit aus dem aktiven Dienst, um sich unbehindert der Bewirtschaftung der Herrschaft Olbendorf (im schles. Kreise Strehlen), die er 1841 angekauft, widmen zu können. In den folgenden Jahren trat V. mit den Schriften Küber Kommunal- und Polizeiverwaltung in den Landgemeinden Niederschlesiens⸗(Berl. 1845) und Die Patrimonial⸗ und Polizeigerichtsbarkeit auf dem Lande in den östl. Provinzen des preuß. Staatso (Berl. 1847) vor die Offentlichkeit. Im J. 1849 trat er in die preuß. Erste Kammer und wohnte 1850 dem Unionsparlament zu Erfurt bei. Im J. 1858 wurde V. in das preuß. Abgeordnetenhaus gewählt, dem er seitdem ununterbrochen angehörte. Auch war er 1866 Mitglied des konstituierenden und 1867 Mitglied des ersten legislativen Reichstags des Norddeutschen Bundes. In seinem parlamentarischen Wirken huldigte V. liberalen Grundsätzen. In dem 1859 entstandenen Konflikt über die Heeresorganisation strebte er nach Vermittelung der Gegensätze. Auch sprach er sich über diese Frage in den Schriften Aiber Reformen in der preuß. Kriegsverfassungo (Berl. 1860) und Die Reorganisation des preuß. Heerwesenso (Berl. 1864) aus. Auf dem Norddeutschen Reichstage vertrat er den vierten Wahlkreis (Namslau-Brieg) des Regierungsbezirks Breslau. Er starb zu Berlin 18. Mai 1869.