FeedVisconti (Ennio Quirino)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Visconti (Ennio Quirino), einer der berühmtesten Archäologen, der aus dem Genuesischen stammenden röm. Familie dieses Namens angehörig, wurde 1. Nov. 1751 geboren. Sein Vater, Giambattista Antonio V., geb. 1722, war Präfekt der Altertümer in Rom unter Clemens XIII., Clemens XIV. und Pius VI. und starb 2. Sept. 1784. Vom Vater selbst unterrichtet, übersetzte V. im 14. Jahre die Hecubas des Euripides in ital. Verse (gedruckt 1765). Er wurde zum Nachfolger seines Vaters bestimmt, welchem zu Gefallen er nebenbei die Rechte studierte. Der Papst ernannte ihn zum Ehrenkämmerer und Custos der Vaticana, auch war er bei der von seinem Vater begonnenen Herausgabe des «Museo Pio-Clementinoo (Bd. 1, Rom 1782) vorzugsweise thätig. Als 1787 der von ihm besorgte zweite Band herauskam, ernannte ihn Pius zum Konservator des Museum Capitolinum. Im J. 1785 gab V. über die Funde in dem Grabe der Scipionen die Schrift Monumenti degli Scipionio heraus, 1787 erschienen die „Monumenti scritti del museo del signor Tommaso Jenltinso, denen 1788—1807 Bd. 3—7 des Museo Pio-Clementinor folgte. Inzwischen kam auch zu Padua die Dissertation V.s „4Osservazioni sopra un antico cammeo rappresentante Giove Egiocov, heraus. Besonders erwähnenswert ist auch die kleine Schrift „Monumenti Gabini della villa Pincianao (Rom 1797), eine übersicht der von dem Fürsten Borghese in den Ruinen von Gabii gefundenen Altertümer. Die röm. Revolution infolge des Einfalls der Franzosen 1797 veranlaßte V., der sich an derselben lebhaft beteiligt hatte, zur Auswanderung nach Frankreich, wo er 1799 zum Aufseher der Sammlungen des Louvre und zum Professor der Archäologie ernannt wurde. Denon wurde 1803 Generaldirektor des Museums, V. Konservator der Altertümer; gleichzeitig wurde er Mitglied der Klasse der schönen Künste und ein Jahr später der Klasse der Geschichte und alten Litteratur des Instituts. V. organisierte nun seine Abteilung des Museums und gab den Katalog heraus, dessen letzte von ihm besorgte Ausgabe 1817 unter dem Titel Description des antiques du Musée royal' erschien; ebenso 1802 die Description des vases peints du Muséen und 1803 die Explication de la tapisserie de la reine Mathilded. Dann folgte sein Hauptwerk, wozu Napoleon die Anregung und die Mittel gab, nämlich die Iconographie grecquep (3 Bde., Par. 1808) und der 1. Band (Par. 1817) der von Mongez vollendeten Iconographie romaine (4 Bde., Par. 1817—33). Bei allen diesen großen Arbeiten blieb V. noch Zeit zu vielen lleinern Abhandlungen. Er wurde 1817 nach England eingeladen, um die von Lord Elgin heimgebrachten Skulpturen vom Parthenon abzuschätzen. Nach seiner Rückkehr gab er das Mémoire sur des ouvrages de sculpture du Parthénon, etc. (Par. 1818) heraus. Er starb 7. Febr. 1818. Seine «Illustrazioni di monumenti scelti Borghesianio veröffentlichten de Rossi und Piale (Rom 1821). Eine vollständige Ausgabe seiner Werke wurde von Labus (Mail. 1818 fg.) unternommen. V. kann allerdings in Hinsicht auf Genialität mit Winckelmann nicht verglichen werden; er hat sich nie an mythol.⸗philos. Forschungen gewagt und sich rein an das Außerliche und Künstlerische der Kunstdenkmäler gehalten. Hier aber hat er Bedeutendes geleistet. Auch ist er ein guter Stilist; besonders ist er kurz und präcis. Sein Bruder, Filippo Aurelio V., der als Fortsetzung des Museo Pio-Clementinos mit Guattani das «Museo Chiaramontio herausgab, starb zu Rom 30. März 1831. — Ein zweiter Bruder, Alessandro V., geb. zu Rom 12. März 1757, war Arzt, machte sich aber auch durch eine Beschreibung der Villa Aldobrandini, durch sein numismatisches Journal und mehrere Abhandlungen als Archäolog bekannt und starb zu Rom 7. Jan. 1835. — Ennio Quirinos Sohn, Luigi V., geb. zu Rom 11. Febr. 1791, schon als Kind nach Frankreich gekommen, hat sich unter den franz. Architekten als Schüler Perciers einen Namen gemacht. Von ihm ist Napoleons I. Grabmal im Invalidendom. Sein größtes Werk, die das Louvre mit den Tuilerien verbindenden Bauten, war in der Ausführung begriffen, als er zu Paris Ende 1853 starb. — Ein Neffe Ennio Quirinos, Sohn von Alessandro V., war der Baron Pietro Ercole V., bis 1870 Kommissar der röm. Altertümer, Direktor der vatikanischen Kunstsammlungen, bekannt durch zahlreiche archäol. Schriften und ein großes Wörterbuch über die berühmten Familien im Kirchenstaat (9 Bde., Rom 1847 fg.). Er starb 1880. — Sein Brudersohn, Carlo Lodovico V., hat sich demselben Fache gewidmet und sich namentlich auch als Mitglied und Mitarbeiter an dem Bulletinop der Commissione archeologica municipale (Rom 1872 fg.) verdient gemacht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 291Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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