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ErdkundeBrockhaus 1882

Volterra, Stadt in der ital. Provinz Pisa, Hauptort eines Bezirks, auf einem 554m hohen Berge, der bei klarem Wetter eine von dem Hauptkamme der Apenninen bis Corsica reichende Fernsicht gestattet, ist Sitz eines Bischofs, zählt (1881) 5712 (Gemeinde 13 719) CE. und hat Marmor⸗, Gips⸗ und Alahasterbrüche, Salzwerke und Steinkohlengruben. Den hauptsächlichsten Erwerbszweig der Bevölkerung bildet die fabrikmäßige Anfertigung vorzüglicher Alabasterarbeiten in 60 Werkstätten; den 29 Brüchen der Umgegend entnimmt man jährlich etwa 580000 kg Alabaster, doch werden die feinern der zu V. verarbeiteten Sorten in den Gruben von La Castellina, südlich von Livorno, gebrochen. In der Nähe von V. sind reiche Salzquellen mit Salinen (Endpunkt der Eisenbahn Cecina-Saline di Volterra) und berühmte Boraxquellen. Aus dem Altertum sind vorhanden: die 7280 m im Umfang haltende, vor Porta Fiorentina und im Klostergarten von Sta. Chiara 12 mehohe und 4m dicke, aus horizontalen Sandsteinblöcken geschichtete Stadtmauern, Spuren eines Amphitheaters bei Porta Fiorentina, Thermen, Grabstätten, die Porta dell' Arco, ein 6m hoher Rundbogen und die Piscina, außerhalb der Citadelle, ein auf sechs Säulen ruhender Wasserbehälter. Der 1120 von Papst Calixtus II. geweihte, 1254 durch Niccold Pisano erweiterte Dom ist ausgezeichnet durch den Reichtum an Bildwerken im Innern und besitzt im Oratorio di San Carlo ein treffliches Gemälde (Verkündigung, 1491) von Luca Signorelli. Die auf der Stelle eines Sonnentempels errichtete, angeblich aus dem 7. Jahrh. stammende achteckige Taufkirche San-Giovanni hat ein Ciborium von Mino da Fiesole (1471) und einen Taufstein von Andrea Sansovino (1502). Die got. Kapelle der Confraternitä della Croce di Giorno von 1315 in 1434 Deuchende hat Fresken von 1410. Das seit 1731 bestehende Museo Nazionale (ehemals Museo Civico) im Palazzo Tagassi enthält über 400 der spätesten etrusk. Kunstperiode angehörende Graburnen aus Alabaster, Sandstein und Terracotta, Marmorskulpturen, Vasen, Münzen, Bronzen, Goldsachen, schöne Glasgefäße, Inschriften, das Archiv und eine Bibliothek von 13000 Bänden. Die Citadelle, jetzt Zuchthaus, besteht aus der Rocca Vecchia (Cassero), 1343 durch Walther von Brienne auf den antiken Stadtmauern der Südostecke V.s aufgeführt, und aus der Rocca Nuova, von den Florentinern nach der 17. Juni 1472 erfolgten Einnahme der abgefallenen Stadt erbaut; ein Teil der Rocca Nuova ist der berüchtigte Turm „Il Mastio di V.v, wo der unglückliche Mathematiker Lorenzo Lorenzini auf Befehl des Großherzogs Cosimo III. 1682—93 gefangen saß. Der Palazzo dei Priori oder Palazzo pubblico, ein stattliches Gebäude von 1208 —57 besitzt eine Anzahl von Gemälden, darunter ein schönes von Luca Signorelli aus dem J. 1491. Die Stadt hieß im Altertum etrusk. Velathri, bei den Römern Volaterrae und war eine der größten der zwölf Bundesstädte Etruriens, später röm. Municipium. In V. sammelte sich aus den Resten der besiegten Partei der Marianer ein Heer von vier Legionen, welches sich nach zweijähriger Verteidigung gegen Sullas Truppen 79 v. Chr. ergab, doch wurde die Besatzung, welche gegen freien Abzug kapituliert hatte, niedergehauen. Die Stadt, mittellat. Volaterra und Vulterra, verlor 1361 ihre Selbständigkeit und kam an Florenz. V. ist Geburtsort des röm. Dichters Persius und des Daniele da Volterra (s. d.), eines Schülers Michel Angelos.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 336Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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