Vulkan (Vulcanus, in der ältern Namensform Volcanus) war der italische Gott des Feuers so—⸗ wohl nach seiner zerstörenden als nach seiner wohlthätigen Seite. In letzterer Beziehung erscheint er bald als befruchtender und zeugender Naturgott, bald als kunstfertiger Feuerarbeiter, insbesondere Waffenschmied, was sein Beiname Muleiber (der das Metall Erweichende, flüssig Machende) bezeichnet. Er 1.5 in Rom eine alte Kultstätte, das Volcanal, eine von einer Umzäunung umgebene Fläche am Abhange des Capitolinischen Hügels über dem Comitium: sein Hauptfest, die Volcanalia, wurde am 23. Aug. (in der Kaiserzeit auch mit Cirkusspielen) gefeiert. Mit V. ist nach der röm. Auffassung identisch der griech. Hephästos, der Sohn des Zeus und der Hera (erst eine spätere Sage läßt ihn in Nachbildung der Geburtssage der Athena von Hera allein im Zwiste mit Zeus geboren werden), ein Gott des Feuers, insbesondere des himmlischen (des Blitzes), dann auch des namentlich in den Vulkanen wirksamen Erdfeuers. Auf den Blitzgott bezieht sich die Sage von seiner Herabschleuderung aus dem Olymp. Nach der einen Sage war er von Geburt an lahm, daher seine Mutter, die sich des mißgestalteten Sohnes schämte, ihn vom Olymp hinab ins Meer warf, wo ihn Thetis und Eurynome, die Töchter des Okeanos, in ihrem Schoße aufnahmen und neun Jahre lang in einer Grotte im Okeanos verborgen hielten. Nach einer andern Sage wollte Hephästos einst bei einem Streite zwischen Zeus und Hera der letztern beistehen, worauf ihn Zeus am Fuße erfaßte und auf die Erde herabschleuderte. Hephästos fiel auf die Insel Lemnos (eine Hauptstätte seines Kultus wegen des Vulkans Mosychlos), wo er von dem Volksstamme der Sintier verpflegt wurde. Wegen der Wichtigkeit des Feuers für die Bearbeitung der Metalle ist Hephästos auch der Gott der Erzarbeit, der kunstfertige Meister in Metallarbeiten aller Art; auf dem Olympos hat er sich selbst und den übrigen Göttern Paläste (die nach dem Muster der Fürstenhäuser der achäischen Zeit als an den Wänden mit Erz bekleidet zu denken sind), für sich selbst goldene Dienerinnen gefertigt; auf Bitten der Thetis schmiedete er für Achilleus kunstreiche Waffen. Während seiner Verbannung aus dem Olymp fertigte er für Hera, um sich an ihr zu rächen, einen goldenen Thronsessel mit verborgenen Fesseln. Als Hera sich darauf setzt, kann sie nicht wieder aufstehen, und keiner der übrigen Götter ist im Stande, sie zu befreien, sodaß man genötigt ist, den Hephästos in den Olymp zurückzurufen. Da er sich weigert, macht Dionysos ihn trunken und führt ihn so im heitern Zuge seiner Satyrn wieder in den Kreis der Olympischen Götter zurück, wo er versöhnt die Mutter befreit. Als Gemahlin des Hephästos erscheint in der Ilias und bei Hesiod eine der Chariten, sonst gewöhnlich dite. Man verehrte ihn außer auf Lemnos besonders in Athen, wo er eng mit Athena verbunden ist und ihm zu Ehren ein Fest Hephästeia mit Fackelläufen gefeiert wurde, in Sicilien am Atna und auf der Insel Lipara. Die bildende Kunst stellte ihn dar als kräftigen Mann (oft mit Andeutung der Lahmheit) in der Tracht der Handwerker (der beide Arme und die eine Hälfte der Brust freilassenden Exomis), eine halbeiförmige Mütze auf dem Kopfe, Hammer oder Zange in der Hand.