Schönlein (Joh. Lukas), ausgezeichneter Arzt und klinischer Lehrer, geb. 30. Nov. 1793 zu Bamberg, besuchte seit 1803 das Gymnasium daselbst, seit 1811 die Universität zu Landshut und seit 1813 die zu Würzburg, wo er sich 1816 die mediz. Doktorwürde erwarb. Im J. 1819 trat er zu Würzburg als Privatdocent auf und wurde hier 1820 außerord., 1824 ord. Professor der Therapie und Klinik und dirigierender Arzt am Juliushospital. In dieser Stellung begründete er seinen großen Ruf als Arzt und Lehrer. Jedoch mit der bayr. Regierung in Disharmonie, ging er 1833 als Professor der Klinik nach Zürich. S. folgte indessen 1839 einem Rufe nach Berlin. Er begann hier im Mai 1840 als Professor der Pathologie und Therapie und Direktor der mediz. Klinik der Universität seine Wirksamkeit und wurde zum preuß. Geh. Obermedizinalrat, vortragenden Rat im Ministerium des Unterrichts, der geistlichen und Medizinalangelegenheiten, sowie zum Leibarzt des Königs Friedrich Wilhelm IV. ernannt. Als solcher stand er dem Könige anfangs auch in dessen letzter Krankheit zur Seite, entzweite sich aber mit den andern Leibärzten über Wesen und Behandlungsweise des Leidens und legte deshalb 1859 alle seine Amter nieder. Er zog sich nach Bamberg zurück, wo er 23. Jan. 1864 starb. Am 30. Nov. 1874 wurde sein Denkmal (Kolossalbüste von Zumbusch in Wien) in Bamberg enthüllt. Am Krankenbett war S. durch tiefen Blick und geniale Auffassung des einzelnen Falls ausgezeichnet; im Hörsaale fesselte er durch eine großartige Anschauungsweise der Heilkunde im allgemeinen. Außerdem ist er als der Schöpfer eines die Krankheiten nach Art der Naturgeschichte in Klassen, Familien, Gruppen und Arten einteilenden nosologischen Systems zu betrachten. Einige seiner Zuhörer veröffentlichten seine Allgemeine und spezielle Pathologie und Therapies (nach Vorlesungen bearbeitet, 4 Bde., Würzb. 1832; 4. Aufl. 1839), «Krankheitsfamilie der Typheno (Zür. 1840) und (Klinische Vorträge im Charitékrankenhause zu Berlin (2 Hefte, Berl. 1842; 3. Aufl. 1844). Vgl. Virchow, 4«Gedächtnisrede auf S. » (Berl. 1865); Rothlauf, Johann Lukas S. in seinem Leben und Wirken geschilderto (Bamb. 1874).